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Meine neuen Lace-Spindeln

Erst neulich habe ich fest gestellt, dass ich über 70 Spindeln in meiner Sammlung habe. Man könnte ja meinen damit wäre ich für jede Art von Spinnprojekt ausgestattet. Trotzdem habe ich mir letzte Woche ein paar neue gebaut und möchte euch gerne erzählen warum.

Ich habe eine neue Auftragsarbeit. Derzeit verarbeite ich die Fasern von einem Spitz. Und nachdem ich die Fasern erst in 25g-Portionen aufgeteilt hatte, habe ich drei Portionen mit dem Spinnrad auf jeweils eine Spule gesponnen.

Mir fehlt allerdings in letzter Zeit häufig die Ruhe, um mich für längere Zeit ans Spinnrad zu setzen und ich ertappe mich doch immer wieder mit einer Handspindel in der Hand – natürlich mit anderen Fasern. Und so komme ich mit meinem Spitz-Projekt nicht voran. Also habe ich beschlossen dieses mit Handspindeln fertig zu stellen.

Da die Fasern sehr kurz und fein sind und ich sie im langen Auszug verspinne, habe ich in meinem Vorrat nach den leichtesten Spindeln gesucht, die nach Möglichkeit auch noch schnell sind. Ich habe ein paar Kreuzspindeln mit ca. 10-15g. Die benutze ich hin und wieder, aber nicht um tatsächlich produktiv zu arbeiten. Untertzützte Spindeln sind nicht meins, also fallen die auch raus.

Die leichtesten Fall-Spindeln, die ich habe sind eine Leichtlen-Kopfspindel mit ca. 19g, eine Locke-Kopfspindel mit ca. 17g und eine Mini-Spindel von Matthes, die ca. 15g wiegt. Die Mini-Spindel fällt für das Projekt auch raus, weil der Schaft so kurz ist, dass ich beim Aufwickeln etwas ausgebremst bin.

Links eine Spindel aus dem Hause Leichtlen, rechts eine Spindel von Peter Locke.

Ich hab die restlichen Fasern also in 10g-Portionen aufgeteilt (ich spinne immer weniger auf eine Spindel, als sie selbst wiegt) und mit der Leichtlen-Spindel und der Locke-Spindel los gelegt.

An sich hat das wunderbar geklappt. Allerdings musste ich doch wieder fest stellen, dass ich ungerne mit Kopfspindeln arbeite, vor allem wenn ich im langen Auszug spinne. Und das ist natürlich auch wieder kontraproduktiv.

Meine schlichten Lieblings-Spindeln sind pure Arbeitsgeräte ohne Schnick-Schnack. Ich habe sie auch schon eingeplant, um mein Shetland/Seide-Projet fertig zu spinnen.

Ich habe dann eine Portion auf eine meiner Lieblings-Tiefwirtelspindel gesponnen. Diese habe ich schon vor Jahren selbst aus einem Rundholz, einem Holzrad und einem Schraubhaken selbst gebaut. Sie dreht schnell, gleichmäßig, lang genug, um zumindest einen Meter auszuziehen und sie ist robust.

Es gab mal ca. 9 weitere Spindeln dieser Art, die ich nach und nach weg gegeben habe – mit dem Hintergedanken, jederzeit weitere Spindeln bauen zu können. Mittlerweile habe ich nur noch 3 ihrer Art.

Auf diesen Spindeln ist zum Beispiel auch mein geliebter Farbverlaufsschal entstanden.

Allerdings sind die Spindeln mit ca. 25g einen Tick zu schwer für das Projekt. Mit viel Konzentration und ein bisschen Tricksen hier und da habe ich 10g auf die Spindel bekommen, aber sie ist nicht selten durchs Wohnzimmer gepoltert.

Ich hatte noch einige Holzräder und hab dann etwas hin und her überlegt wie ich die Spindeln vielleicht leichter machen könnte.

Dafür habe ich die Räder aus Buche selbst einmal gewogen und fest gestellt, dass ein Rad alleine schon 16,5g wiegt. Also keine Chance eine 17g Spindel zu bauen, selbst wenn ich den Schaft kürzer machen würde.

Darauf hin habe ich das Internet durchforstet und nach längerer Suche tatsachlich Holzräder gefunden, die in der Form gleich sind, was für die tollen Spinneigenschaften sorgt, aber etwas kleiner als meine. Meine bisherigen Wirtel haben einen Durchmesser von 5cm. Die Kleineren haben 4cm Durchmesser. Und tatsächlich wiegen sie auch nur etwa 9,5g.

Nachdem ich die Räder bekommen habe, habe ich Nachmittags gleich angefangen Spindeln zu bauen. Dir Löcher habe ich auf 8mm gebohrt, das ist der Durchmesser der Rundhölzer, die ich gerne verwende.

Diese säge ich auf etwa 25cm Länge zu.

Der Rest ist einfach. Eine Seite der Stäbe spitze ich etwas an, alles abschmirgeln, ein Loch für den Schraubhaken vorboren, Schraubhaken (Öffnung 6-8mm) einsetzen, Wirtel drauf, fertig. Ich tupfe noch etwas Kleber auf die Unterseite der Wirtel, damit sie nicht abrutschen können.

Vor Jahren (vielen Jahren) habe ich auch Mal ein Video darüber gemacht, wie ich Spindeln baue. Daran hat sich nicht viel verändert.
Und weil ich gerade dabei war und noch einige von meinen „Standard-Wirteln“ hatte, habe ich meinen Bestand an „Lieblings-Spindeln“ auch noch aufgestockt.

Meine fertigen Spindeln wiegen nun knapp unter 20g. Das passt für mich und sie laufen prima. Hätte ich die Stäbe etwas kürzer gemacht oder mich für dünnere Rundhölzer entschieden, hätte ich natürlich noch ein paar Gramm einsparen können.
Vielleicht wird das mein nächstes Spindelbauprojekt…