Streichgarn-Pullover

Diese Woche gibt es leider kein neues Video, dafür berichte ich euch aber endlich von meinem neuen handgesponnenen Pullover. So neu ist der gar nicht mehr, ich habe ihn nämlich schon vor ca. 1,5 Monaten fertig gestellt. Aber dafür habe ich ihn auch schon ausreichend getragen und lieb gewonnen.

Im November 2015 hatte ich aus verschiedenen Fasern, die in meinem Vorrat lagen Batts zusammen kardiert.

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Die blaue Bluefaced Leicester Wolle sieht auf den Bildern ein wenig Lila aus, dazu habe ich weinrote Southdown genommen und Falklandwolle in Weiß. Die blauen

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Daraus habe ich zwei Mischungen gemacht: eine in Rot und Weiß, eine mit allen drei Farben zusammen. Das ganze habe ich je vier Mal durch kardiert. Allein dafür habe ich zwei Nachmittage gebraucht, weil ich insgesamt ca. 650gr. Fasern verarbeitet habe.

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Dann begann das große Spinnen. Um die schöne Struktur der Batts zu erhalten und den gemischten Farben möglichst viel Spielraum zu geben, habe ich recht fein im langen Auszug gesponnen. Ausserdem war ich neugierig wie sich ein Pullover aus Streichgarn verhält, wenn er viel getragen wird. Um möglichst gleichmäßig zu arbeiten, habe ich meinem Drang nach Abwechslung widerstanden und erst alle Singles versponnen.

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Die Singles waren Mitte Dezember fertig. Die fünf vollen Spulen habe ich dann zu zweifädigen Garnen verzwirnt (von denen ich leider gar kein Foto gemacht habe). Nach dem Entspannungsbad konnte ich nicht lange warten und habe direkt eine Maschenprobe gemacht, als die Garne trocken waren.

Insgesamt hatte ich ca. 1299m auf 649gr. Garn (von insgesamt ca. 100gr. übrig geblieben sind). Also im Schnitt 200m/100gr bei einer Garnstärke von 16 WPI (Singles waren ca. 35 WPI), die ich dann mit Nadelstärke 3 verstrickt habe.

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Vor einiger Zeit habe ich mir „The Knitter´s book of Top-Down Sweaters“ von Ann Budd zugelegt und mit dessen Hilfe, meiner Maschenprobe und meinen Maßen, habe ich dann die Anleitung für meinen Pullover zusammen gestellt.

Das Buch bietet zahlreiche Tabellen, mit denen man sich auf Grundlage der eigenen Maschenprobe und gewünschten Größe alle wichtigen Daten für verschiedene von oben gestrickte Pullover zusammen stellen kann. Darunter zählen Raglan, Pullover mit Rundpasse und auch Pullover mit eingesetzten Schultern. Jede Pulloverart ist dann unterteilt in Kragen, Schultern, Körper und Ärmel. Auf den ersten Blick scheinen es überwältigend viele Zahlen, aber wenn man sich einen Überblick verschafft hat, ist es sehr klar und hilfreich. Das Buch gibt es allerdings leider nur auf Englisch. Um die Erklärungen zu verstehen, sollte man schon etwas Englisch können.

Handy Book of Top Down Sweaters

Um mich einer kleinen neuen Herausforderung zu stellen, habe ich mich für eine Rundpasse entschieden. Ich habe nämlich noch nie zuvor eine gestrickt. Und die Herausforderung war tatsächlich recht groß. Nicht weil es besonders kompliziert wäre eine Rundpasse zu stricken. Im Gegenteil! Aber eine Rundpasse ist eine der Techniken bei der man hin und wieder so und so viele Maschen „gleichmäßig über die Runde verteilt“ zunehmen soll. Und das ist überhaupt nichts für mich.

Ich muss mich jedes Mal schwer zurückhalten, um nicht einen Taschenrechner rauszuholen, die vorhandenen Maschen nachzuzählen und genau auszurechnen, wie GENAU „gleichmäßig über die Runde verteilt“ aussieht. Aber ich habe es nicht getan und es ist gut gegangen 😉

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Der erste Teil ging unheimlich schnell. Schon Anfang Januar war die Hälfte des Pullovers fertig. Der tolle Strickbeutel an der Seite war übrigens ein Geschenk von vielen Mitgliedern meiner wunderbaren Ravelry-Gruppe.

Dann kam ich allerdings ein wenig ins Stocken, und das Ende zog sich ein wenig. Was wohl auch daran lag, dass ich mich entschieden hatte die Garne im unteren Bereich alle vier Reihen abzuwechseln und das entsprechend andere Garn mitlaufen zu lassen.

Beim Körper ist mir das ein gutes Stück weit gut gelungen. Dann gingen mir die zwei Knäuele, mit denen ich zu wirtschaften hatte, irgendwann mächtig auf den Senkel – um es auf gut Deutsch zu sagen. Bei den Ärmeln wurde es noch schlimmer… Aber ich habe durchgehalten.

Und ich wurde belohnt! Im Februar ist mein Pullover fertig geworden.

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An der Seite habe ich noch eine falsche Naht, durch zwei nebeneinander liegende linke Maschen eingearbeitet. Die Rundpasse gefällt mir sehr gut und gibt dem Pullover eine schöne Form.

Außerdem habe ich den Pullover ganz leicht tailliert. Dafür musste ich allerdings doch noch den Taschenrechner zücken. Denn die wunderbaren Tabellen im Top-Down-Sweaters-Buch geben einem alle Infos, aber nur für gerade geschnittene Pullover. Wem das gefällt, der findet in dem Buch einen wunderbaren Helfer für eigene Pullover aus handgesponnenem Garn (und jedem anderen natürlich).

Was man auf den Bildern kaum erkennt, die das der innere Bereich der Ärmel, sowie die Hüfte recht stark von Pilling befallen sind. Pilling ist der Name für die ganzen kleinen Wollkügelchen, die sich auf manchen Garnen bei Reibung bilden. Das war zu erwarten, denn ein Streichgarn gibt wegen seiner Offenheit mehr Angriffsfläche auf die Fasern.

Die Farben sind beim Baden der Garne und beim Waschen des Pullovers noch Mal ordentlich ausgeblutet und das Rot ist interessanterweise immer dunkler geworden und hat nun eher einen interessanten Rostton. So unterschiedlich die Singles vorher waren, so sehr verschwimmen die Streifen jetzt miteinander und je nach Licht, kann man die Garne kaum voneinander unterscheiden.

Ich muss aber gestehen, dass mich das zumindest in diesem Fall nicht weiter stört. Es ist ein kuschelig weicher Wollpullover, dabei aber sehr dünn, leicht und angenehm zu tragen.

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