Schlagwort: kammzüge

Warum ich nicht mehr färben werde…

In den Tagen nach meinem letzten Video, habe ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht wie ich weiter mache, wohin ich mich entwickeln möchte, was möglich ist und was ich mir wünsche.Ich habe eine Entscheidung getroffen, eine weitreichende Entscheidung. Und diese möchte ich euch gerne etwas ausführlicher erklären.

Dafür möchte ich etwas ausholen und wer keine Zeit oder Lust dazu hat, dem steht es natürlich frei weiter nach unten zu scrollen, um zu wissen wie es weiter geht.

Wie alles anfing…
Als ich vor ca. 3 Jahren angefangen habe zu färben, hat es mir riesen Spaß gemacht und ich habe mich tierisch gefreut, als ich meine ersten handgefärbten Kammzüge verkauft hatte. Vor allem aber hat es mir geholfen aus der handSpinnerey innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Unternehmen zu machen und meine Arbeit zu verbessern. Ich konnte mir neues Kamera-Equiment für meine Videos zulegen und bessere Software zum Schneiden. Und so auch immer mehr und neue Projekte gestalten.

Nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte und meinen eigenen Online-Shop eröffnete, war ich begeistert davon wie gut meine Färbungen angekommen sind und hatte Freude daran mir  immer wieder Neues auszudenken, mehr zu färben und andere Materialien auszuprobieren. Und das alles und meine treuen Kunden halfen mir dabei, meine Videos und meinen Blog zu finanzieren, mich weiter zu entwickeln, Neues zu lernen und weiter zu geben und mich und die handSpinnerey weiter auszubauen. Es war schmeichelnd und schön, wenn ein Shop-Update nach zwei Tagen ausverkauft war. Keine Frage, wer würde sich nicht über einen solchen Andrang freuen? Das ist Balsam für die Seele – und man will schnell mehr davon.

Erkenntnis…
Doch eines Tages merkte ich, dass ich das was ich eigentlich tun wollte, nicht mehr tat.Ich wollte lehren, teilen, inspirieren und helfen. Und das alles war auf einmal nicht mehr möglich, es blieb kaum Zeit dafür. Ich beschloß einzulenken. Ich habe mich selbstständig gemacht, um das zu tun was ich wirklich liebe.Ich färbe gerne.Aber ich liebe es Kurse zu geben.Ich liebe es andere zu inspirieren.Ich liebe es meine Erfahrungen und mein Wissen an andere weiter zu geben.Ich liebe es mit Fasern und Garn zu arbeiten.Ich liebe es zu erklären.Und ich liebe den Moment, wenn ich Verständnis in den Augen meines Gegenübers aufblitzen sehe.

Schon vor etwa einem Jahr wusste ich, dass ich die Richtung ändern muss. Aber noch nicht genau wie.Über die Monate reifte der Gedanke daran weniger zu färben – wenigstens etwas weniger. Meinen Fokus wieder zurück zu bewegen.Aber das war nicht einfach. Ich hatte Angst! Es war schwierig! Und zu oft gehen wir gerne den scheinbar leichteren Weg.

Die FiberClubs könnte ich behalten, dachte ich mir. Und vielleicht noch einen Club. Das ist planbar, das ist machbar, dachte ich mir. Ich fand die Begeisterung toll, die mit den FiberClubs einher geht. Die Freude, das Warten, die Überraschung.Etwas in mir hat sich jedoch gestreubt! Gesagt ¨du willst das doch gar nicht mehr¨, ¨du könntest gerade einen wunderbaren Artikel über Kamm- und Streichgarne schreiben, oder ein Kurskonzept, oder…¨. Ich hätte auch einfach spinnen können, dabei fällt mir IMMER etwas Neues ein.Ich hab aber nicht zugehört!Und irgendwann kam der Tag, an dem mein Körper einfach gestreikt hat. Als ich aus Hamburg zurück kam, beflügelt, energetisch und vor allem befriedigt, und wusste jetzt muss ich wieder da weiter machen, wo ich aufgehört habe, hat mein Unterbewußtsein (Energiehaushalt, Karma, wie auch immer ihr es nennen wollt) sich mit einer zufällig ebenfalls anwesenden körperlichen Überlastung zusammen getan und eine Party gefeiert, während ich gefesselt und geknebelt an Marterpfahl saß.Die hatten Spaß die beiden…

Entscheidung…
Ich würde gerne behaupten, dass ich versuche dagegen anzukämpfen. Aber wenn ich ehrlich bin haben die beiden, also mein Unterbewußtsein und mein Körper, ja Recht. Nicht zuletzt durch gewisse Gegebenheiten, z.B. fehlender Wasseranschluss in meiner Werkstatt, wurde das Färben immer mehr zu einem Kraftakt. Das wäre änderbar, keine Frage. Aber wie gesagt, eigentlich wollte ich ja nicht mehr färben. Dennoch aufrüsten? Ihr versteht meinen Punkt sicher.

Meine Rückenprobleme sind also sicher nicht nur psychosomatischer Natur, das will ich gar nicht sagen. Und ich freue mich sehr auf meine Therapie, die ich hoffentlich bald antreten kann.Aber dadurch habe ich mir in den letzten Tagen und Wochen noch mehr Gedanken gemacht und nun nach und in dieser heftigen Zeit der Erkrankungen steht die Entscheidung fest.

Ich werde nicht mehr färben!

Es gibt ganz ganz viele wundervolle talentierte HandfärberInnen da draußen (ich überlege sogar schon eine Blog-/Videoserie über Handfärber zu machen) und ich versorge euch gerne weiter mit Goodies wie Faserwaschmittel und Thaklispindeln etc. Aber ich werde keine bunten Spinnfasern, Rolags, Batts oder dergleichen mehr produzieren. Ich bin Handspinnerin und Lehrerin und sicher auch Geschäftsfrau. Aber ich möchte keine Handfärberin mehr sein.

So,  nun ist es raus! War gar nicht so schwierig. Tut aber seeeeeeehr gut.

Zukunft…
Für die Zukunft bedeutet das für mich persönlich eine Menge Umstellung. Meine (zur Zeit) größte Einnahmequelle fällt damit weg und ich muss mich neu aufstellen. Faktisch habe ich aber auch mehr Zeit, um z.B. neue Workshops (bundesweit) zu planen, meinen Traum von Online-Kursen weiter zu verfolgen und neue Projekte anzugehen.Und ich schaue positiv in die Zukunft und freue mich auf diesen neuen Weg – zusammen mit euch!

Alle FiberClub- und Spindel+Faser-Club Mitglieder wurden bereits per Email über die Entscheidung benachrichtig. Für einige FiberClub-Mitglieder standen noch ein oder zwei Monate aus und sie erhalten natürlich ihr Geld dafür zurück. Der Spindel+Faser-Club wird ebenfalls nicht weiter geführt. Glaubt mir, ich finde das auch schade, hatte dieses tolle Projekt doch gerade erst begonnen.
Bei allen, die auf der Warteliste für einen Club stehen, entschuldige ich mich von ganzem Herzen und bedanke mich für eure Geduld und eure Treue.

Ihr alle, meine KundInnen, meine ZuschauerInnen, meine LeserInnen bedeutet mir unheimlich viel und macht jeden Tag spannend, lehrreich und wertvoll. Fühlt euch alle gedrückt!Ohne euch wäre ich nicht, wo ich heute bin und dafür bin ich euch unendlich dankbar.Ich liebe meinen Job und zuletzt habe ich das Gefühl, dass ich es euch schuldig bin ehrlich zu euch zu sein und mein Bestes für euch zu geben.

Noch ein kurzes Wort an all die handarbeitenden, kreativen Selbstständigen da draußen: Ich weiß wie hart es sein kann, in diesem Bereich zu arbeiten und wie viel Leidenschaft in diese Arbeit einfließt. Wichtig ist, dass ihr das tut was ihr liebt. Nicht das, was ihr glaubt tun zu müssen. Bleibt euch selbst treu und hört auf euer Herz. Das ist leichter gesagt, als getan, ich weiß. Aber es hilft, versprochen!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz viel Spaß bei all euren Spinnereien,

eure Chanti

Aus einer anderen Perspektive

Vor gut einer Woche hat in Köln das Wollfestival 2014 statt gefunden und wie versprochen, möchte ich euch ein wenig an meinem Festivalerlebnis teilhaben lassen – und euch natürlich auch zeigen, was ich eingekauft habe!

Die Bilder

Ich lasse gerne Bilder sprechen. Die geben häufig einen guten, wenn nicht manchmal sogar besseren, Eindruck von Veranstaltungen und Festivals. Diesmal aber habe ich die Perspektive etwas verändert.

Ich hatte zwei Kameras dabei. Ich selbst habe einige ganz hübsche Fotos gemacht. Aber viel spannender finde ich die Fotos, die Raphael mit der Kamera gemacht hat, die ich im in die Hand gedrückt hat – zugegeben die Hälfte der rund 30 Bilder waren diverse Portraits seiner Schwester. Und einige wenige waren etwas verwackelt. Aber alle anderen geben einen schönen und interessanten Eindruck aus dem Blickwinkel eines Kindes. Also lasst die kleine Auswahl der Bilder einfach mal auf euch wirken. (Weiter unten zeige ich euch dann auch noch, was ich mir gegönnt habe.)

Wollfestival2014-01 Wollfestival2014-02 Wollfestival2014-03 Wollfestival2014-04 Wollfestival2014-05 Wollfestival2014-07 Wollfestival2014-08

 

Mein Einkauf

Ich dachte tatsächlich ich hätte Unmengen eingekauft. Zumindest hatten wir eine ganze Menge nach Hause zu tragen. Aber so viel war es eigentlich gar nicht! Eher eine feine Auswahl schöner Sachen, die ich mir quasi als Geburtstagsgeschenk gegönnt habe. Und das meiste ist auch schon verplant bzw. eingeplant.

Collage-Einkauf-Wollfestival-2014

 

Bei Andenglück aus dem Westerwald habe ganze 500 gr frische Kamelfasern erstanden. Ein großartiges Vlies und ich freue mich riesig drauf, es zu verarbeiten. Ich denke daran es mit meiner Quessantwolle zu vermischen und daraus ein Riesentuch/Poncho für den Winter zu machen.

Der Stand von FairAlpaka war lange lange so voll besetzt, dass ich gar nicht an die Wolle heran kam. Aber irgendwann am Nachmittag lichtete sich der Stand ein wenig und ich konnte die wunderbaren BabyAlpaca Lacegarne bewundern. Weil dieses auch noch runter gesetzt waren, sind gleich vier Knäuel in meine Tasche gewandert. Zwei in Grau und zwei in einem wunderbaren tiefen Lila. Ein großes Tuch sollte daraus werden und zwei Tage später habe ich den Nuvem von Martina Beim (Ravelry-Link) angeschlagen, den ich auch schon lange stricken wollte. Ich bin soooo gespannt auf das fertige Stück.

Die Kinder durften sich bei Valentina Wollante etwas aussuchen. Francesca „Cici“ hat sich für einen rosa Kammzug aus Bluefaced Leicester und Bambus (50/50) entschieden, zeigte auf den Haruni (Link zu meinem Ravelry-Projekt), den ich trug, und meinte so etwas wolle sie daraus haben. Witzig finde ich, dass mein Haruni aus der gleichen handgesponnenen Fasermischung besteht. Also eine sehr gute Wahl vom Tochterkind.

Aber auch Raphael hat guten Geschmack bewiesen und entschied sich für einen blaugrünen super weichen Chubut-Kammzug (eine argentinische Schafrasse, benannt nach der Gegend, in der sie leben). Daraus solle ein Schal werden, meinte er. Alles klar! Meine Projekte für die nächsten Wochen sind also gesichert und der Winter kann kommen.

Damit das ganze noch mehr Spaß macht, habe ich mir bei Wolle-Online dann auch noch eine handgedrechselte wunderschöne Spindel geleistet.

Spindel-Locke-Blog

Zum guten Schluss bin ich bei Zeenas Wollfühl-Oase auch noch über das Buch „Stricken macht schön“ von Martina Behm gestossen. Ich wusste bislang gar nicht, dass sie außer ihrer drei StrickMich!-Bücher noch etwas veröffentlicht hatte. Gleich auf dem Heimweg in der Bahn habe ich angefangen zu lesen und mich köstlich zu amüsieren. Das Buch ist klasse! Und ich kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen, der gerne mit Nadeln und Garnen arbeitet oder es mal getan hat oder vor hat es zu tun.

Stricken-macht-schön

Fazit:

Ich finde das war wohl doch ein sehr ausgewogener Einkauf. Vor allem aber war es ein toller Tag. Ich habe es sehr genossen in Ruhe über den Markt zu schlendern, einzukaufen, zu quatschen und den Tag zu genießen. Das sollte ich öfter machen. Schade fand ich, dass dieses Jahr nicht annähernd so viele Aussteller da waren, wie letztes Jahr. Das Angebot war daher ein wenig komprimiert, aber trotzdem schön.

Ich hoffe ihr habt alle einen wunderbaren Start in die neue Woche

eure Chanti