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Tipps zum Spinnrad-Kauf

Immer wieder werde ich gefragt, welche Spinnräder ich für Anfänger empfehle oder gar welches das beste Anfänger-Spinnrad ist. Diese Frage ist allerdings nicht einfach und vor allem nicht eindeutig zu beantworten. Bei der Suche nach dem eigenen Spinnrad kann man sich aber einige Fragen stellen, die die Auswahl erleichtern können. Diese Fragen und ein paar Tipps habe ich für euch in einem umfangreichen Video (über 30 Min.!!!!) zusammengefasst, quasi ein Mini-Kurs zum Thema Spinnrad-Kauf.

5 Tipps zum Spinnrad-Kauf

 

Die wichtigsten Tipps im Überblick:

  • Probiere so viele Spinnräder aus wie möglich (z.B. in Spinngruppen, bei Festivals oder bei Händlern).
  • Schau dir die Internetseiten verschiedener Hersteller an, bevor du in Shops auf die Suche gehst (unten findest du eine Liste von Spinnrad-Herstellern)! So erhältst du einen besseren Überblick was es alles gibt.
  • Setze dir ein Preis-Limit und bleib dabei (Teurer ist nicht immer besser! Dein Rad muss vor allem zu dir passen)
  • Suche nach Spinnrädern, die dir auch optisch gefallen. Es gibt große Unterschiede im Design!
  • Ganz wichtig: vergleiche verschiedene Funktionsweisen (im Video ausführlich erklärt) und versuche heraus zu finden, was dir wichtig ist und was zu dir passt.
    • Einfädig- oder zweifädig
    • Spulenbremse (Scotch Tension) oder Flügelbremse (English Tension) (Korrektur: Im Video sage ich Irish Tension zur Flügelbremse, das ist FALSCH. Irish Tension beschreibt ein zweifädiges Spinnrad, die Flügelbremse wird English Tension genannt! Bitte entschuldigt.)
    • Übersetzungen
    • Ein Pedal oder zwei Pedale (Doppeltritt)
    • ERGÄNZUNG: Nicht erwähnt habe ich im Video, die Größe des Einzuglochs (Englisch: Orifice). Auch die hat einen Einfluss darauf, welche sich Garne sich damit spinnen lassen. Für dicke Garne und ArtYarns wird eine große Öffnung benötigt, während es bei manchen Rädern sogar die Möglichkeit gibt das Einzugsloch mit einem zusätzlichen Stück Kunstoff für besonders feine Garne zu verkleinern. (Danke an Bianca für ihren Kommentar auf YouTube!)
  • Zusatz-Tipp für Listen-Liebhaber: Mache dir eine Liste der Kriterien, die dir besonders wichtig sind (z.B. modernes Design, Preis unter…, Spulenbremse, Doppeltritt usw.). Schaue dir dann Räder auf den Seiten der Hersteller an und erstelle eine grobe Auswahl von Spinnrädern, die eine oder mehrere deiner Kriterien erfüllen. Schreibe diese Spinnräder mit auf die Liste und verleihe den Rädern Punkte pro Kategorie (z.B. 5 Punkte für Preis, 10 Punkte für Design, 10 Punkte Bremse usw.). Am Ende kannst du die Punkte zusammen rechnen und sehen, welche Spinnräder nach deinen Kriterien besonders gut abschneiden.
  • Und noch ein Zusatz-Tipp, den ich im Video nicht erwähnt habe: Für manche Spinnräder gibt es mehr Zubehör, als für andere. Zubehör (wie Schnellspinnwirtel, größere Spulen, aufsteckbare Haspeln etc.), können ein Spinnrad natürlich enorm aufwerten. Somit kann das für den ein oder anderen von euch vielleicht noch ein weiteres Kriterium sein.

Spinnrad-Hersteller:

Ich habe nur Hersteller mit aufgenommen, deren Räder meines Wissens zur Zeit in Deutschland erhältlich sind. Natürlich gibt es noch weitere Marken und Spinnrad-Bauer darüber hinaus, die aber nur im Ausland verkaufen.

Wenn euch Marken bzw. Hersteller einfallen, die ich mit in die Liste aufnehmen sollte, dann lasst es mich wissen, indem ihr einen Kommentar hinterlasst.

Louet (Holland)
Kromski (Polen)
Ashford (Neuseeland)
Majacraft (Neuseeland)
Spinolution (USA)
Schacht (USA)
Lendrum (Canada)
Woolmakers (Holland)
Henkys (Handgemachte Spinnräder, Deutschland)
Tom Walther (Handgemachte Spinnräder, Deutschland)
von Schwarzenstein (Handgemachte Spinnräder, Deutschland)
Matthias Paulitz / Inspiration Holz (Handgemachte Spinnräder, Deutschland)
Merino-Spinnrad (Wollknoll Eigenmarke, Deutschland)
Webstuhl Manufaktur Rusi Künzl (Eigenmarke, Deutschland)
Kircher (Deutschland)

Ausserdem gibt es gebraucht hin und wieder Räder, der folgenden „Marken“, die nicht mehr hergestellt werden:
Humanus-Haus (Schweiz, ich bin nicht sicher ob dort noch Spinnräder gebaut werden)
Schippertje (eher eine Bauart / keine Marke, Holland)
Richard Wernekinck / Delft / Rotterdam (Holland)
Vaarpapuu (Finnland)

Spinnrad-Händler:

Hier zur Übersicht noch eine kleine Liste von Spinnrad-Händlern. Auch diese ist sicher nicht vollständig! Aber sie bietet manchem vielleicht einen ersten Schritt auf der Suche. Ausserdem habe ich in Klammern hinzugefügt, welche Marken in den entsprechenden Shops angeboten werden.

Das Wollschaf (Ashford, Kromski, Spinolution / verleiht auch Spinnräder gegen Kaution zum Ausprobieren).
Die Wollfabrik (Ashford, Louet, Majacraft)
Wollknoll (Ashford, Louet, Eigenmarke)
Flinkhand (Ashford, Kromski)
Heimatwolle (Ashford)
Knitart
 (Majacraft, Ashford, Schacht, Louet, Kromski und auch gebrauchte aufbereitete Räder)
Wollinchen (Schacht, Majacraft, Kromski, Ashford)
Kette und Schuss (Louet, Ashford)
Webstuhl Manufaktur Rudi Künzl (Eigenmarke, Louet, Majacraft)
Wolle Traub (es gibt Gerüchte, dass Wolle Traub geschlossen ist. Genaueres kann ich dazu leider nicht sagen. Der Shop ist online und es gibt keinerlei offizielle Info dazu. Marken: Ashford, Schacht, Lendrum)

In den folgenden Shops werden nur die eigenen Spinnräder der Hersteller angeboten bzw. vorgestellt (handgearbeitete Spinnräder werden in der Regel auf Bestellung angefertigt):
Woolmakers
Henkys
Tom Walther
von Schwarzenstein
Matthias Paulitz / Inspiration Holz
Kircher

Was ist euch bei einem Spinnrad wichtig?

Wie habt ihr euer erstes Spinnrad ausgesucht?

Es braucht ein neues Rad in der handSpinnerey

In meiner kleinen Werkstatt stehen zur Zeit fünf Spinnräder, also kann man schon von einer kleinen Herde sprechen. Nicht alle sind in Benutzung, das eine mehr das andere weniger. Trotzdem muss ein neues Spinnrad her und ich will euch auch erklären warum.

Zu meiner Herde gehören unter anderem diese vier schönen Spinnräder:

collage-spinnraeder

 

Links oben ist ein Bock, der eigentlich eine Leihgabe ist und irgendwann auch wieder in sein eigentliches Zuhause zurück ziehen wird. Manche von euch kennen ihn sicher aus früheren Videos. Das ist der mit dem unvermeidbaren Quitschen.
Rechts daneben steht eine hübsche Second-Hand-Laden-Fundstück-Ziege. Sie läuft und das an sich auch recht gut. Nur ist sie auch schon recht alt und manche Gewinde halten nicht mehr sie sollen, so dass der Wirtel sich beim Spinnen langsam aber sicher aufdreht und die Spule immer mehr hin und her wackeln kann und solche Kleinigkeiten. Und ich habe auch nur eine passende Spule. (Da konnte man sicher was machen, aber…)
Darunter mein erstes Spinnrad: Eine Ziege vom Dachboden einer Mutter einer Bekannten. Es wird für immer hier bleiben, da gibt es überhaupt nix dran zu rütteln. Es ist mein ein und alles. Auch wenn es laut klappert, zweifädig ist (was nicht so meins ist) und ne Menge Wurmlöcher hat (keine Würmer mehr!).
Und links unten mein gebraucht erworbenes Merino Wollknoll. Ein praktisches und gutes kleines Rädchen, das ich immer dann nutze, wenn mein Sonata belegt oder verliehen ist. Ich gestehe aber öffentlich ein, dass das Merino und ich uns nie ganz grün geworden sind. Wir dulden uns eher gegenseitig. Und damit nähern wir uns auch schon dem Kernpunkt.
Die Spitze meiner Herde bildet mein geliebtes Kromski Sonata:

Sonata

 

Das Sonata ist mein Rädchen für alles. Ich nehme es mit, wenn ich zu Kursen, Vorführungen oder Ähnlichem fahre, weil es ja die praktische Tasche hat und faltbar ist. Brauchen Workshop-Teilnehmer ein Spinnrad, stelle ich das Sonata zur Verfügung. Wenn ich selber mal am Spinnrad spinnen möchte, spinne ich mit dem Sonata.

Seht ihr das Problem? Ich stelle das Sonata gerne meinen Schülern zur Verfügung. Vor allem weil ich finde, dass es ein tolles Anfänger-Rad ist. Ich achte also immer darauf, dass die Spulen frei sind, denn nichts ist schlimmer, als morgens vor einem Workshop festzustellen, dass ich die Spulen noch abwickeln muss. Und ich selbst nutze während dessen das Merino zum Vorführen und Erklären. Denn die anderen Räder halten dafür einfach nicht her. Sei es lautes Quitschen oder Klappern, das alles ist störend für einen Workshop und vor allem für mich. Und Tatort schauen kann man dabei übrigens auch nicht 😉

Nun habe ich ja aber mein Problem mit dem Merino schon beschrieben. Es ergibt sich also das Fazit, dass ich ein neues Spinnrad brauche, ein Rad für mich und nur für mich, MEIN Rad eben.
Nicht zum ersten Mal stehe ich vor der Qual der Wahl, wie es jeder von euch sicher auch schon mal getan hat. Also versuche ich mir ein paar (wichtige und nicht ganz so wichtige) Kriterien zusammen zu legen:
Das neue Rad sollte

  • ein Reiserad sein oder zumindest möglichst klein
  • doppelt angetrieben sein (zwei Pedale)
  • unter 400 EUR kosten
  • einiges aushalten (jap, das ist etwas schwammig, geb ich zu)

Es wäre schön, wenn es

  • Sliding Hooks hätte, auch wenn das moderner Schnick-Schnack ist 😉
  • Spulen hätte, die zumindest 100 gr. fassen
  • spulengebremst wäre, weil ich Spulenbremsen minimal lieber mal, als Flügelbremsen
  • eine Übersetzung von zumindest 14:1 ohne Aufrüstung durch zusätzliche kaufbare Wirtel etc. mitbringen würde

Ich würde gerne behaupten, ich hätte schon eine Entscheidung getroffen. Noch lieber wäre mir fast, das Rad wäre schon hier… Aber solch eine Wahl möchte ja weise getroffen werden. Nun habe ich natürlich schon ein paar Favoriten, aber trotzdem würde ich gerne eure Tipps und Vorschläge hören! Was meint ihr? Welches neue Rädchen würde in die chantimanou handSpinnerey passen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Habt einen schönen Tag und viel Spass bei all euren Spinnereien
eure Chanti