Faserlexikon: Shetland

Shetland ist eine meiner absoluten Lieblingswollsorten, deshalb freue ich mich ganz besonders sie euch in dieser Faserlexikon-Folge vorstellen zu können.

Schafe

Weißes Shetlandschaf, Quelle: Shutterstock

Shetlandschafe sind eine primitive Rasse, die stark verwandt ist mit den Soay, einer Art Urschafrasse. Sie sind verhältnismäßig klein und in zumindest 11 verschiedenen Farbgebungen vorhanden – Farbgebungen beschreiben nicht nur die Farbe der Wolle, sondern auch die Kombinationen von Hautfarben, Augenfarben und Wollfarben.
Sie sind robust, widerstandsfähig und angeblich auch sehr freundlich.
Viele Shetlandschafe haben noch einen natürlichen Fellwechsel, der bei den meisten Schafrassen weg gezüchtet wurde. Das heißt man kann die Wolle zu einem bestimmten Zeitpunkt mit den Händen abnehmen und die Schafe müssen nicht geschoren werden – diesen Vorgang nennt man „Rooing“.

Shetlandschafe in unterschiedlichen Färbungen Quelle: Shutterstock

In den folgenden Videos könnt ihr euch einen Eindruck von diesem Prozess machen:

Wolle

Laut der Shetland Sheep Society hat die Wolle der Shetlandschafe eine durschnittliche Stapellänge von 9cm. Ich hatte aber durchaus schon Wolle deren Stapellänge bei ca. 5-6cm lag. Das braune Vlies, von dem ich im Video hin und wieder spreche, hat sogar eine Stapellänge von 10-12 cm.

Die Feinheit der Wolle liegt laut der SSS bei 10-20mic bei Halswolle und bei 25-35mic bei Rückenwolle. Alles unter 20mic ist tatsächlich sehr sehr fein – feine Merinos haben häufig eine Feinheit von 17-20mic. An den Zahlen sieht man schon die Vielseitigkeit der Shetlandwolle, denke ich.

Ausserdem weißt die Wolle mit etwa 3-5 Wellen pro cm (laut SSS) auch eine recht hohe Kräuselung auf. Das wiederum führt zu elastischen und warmen Garnen.

Die Vliese, die ich bislang verarbeitete habe, hatten jeweils einen recht hohen Fettanteil von bis zu 50%. Ein Shetlandschaf gibt pro Jahr etwa 1-2kg Wolle. Das heißt aus der Wolle eines Shetlandschafs kriegt man 1-2 Pullovermengen raus.

Wollaufbereitung

Ich habe für mich festgestellt, dass die Wolle sich sowohl zum Kämmen als auch zum Kardieren eignet. Beides hat wunderbar funktioniert. Nur beim Kardieren habe ich nach einigen Experimenten zu feineren Handkarden (102 ppi) gegriffen, um ein sauberes und ordentliches Ergebnis zu bekommen. Dazu könnt ihr auch einiges in einem meiner Ravelry-Projekte lesen.

Spinnfertige Shetlandwolle bekommt man häufig in Kammzügen, aber hin und wieder auch als kardiertes Vlies. Rohwolle gibt es in einigen Etsyshops und ich habe schon einige (tolle!) Vliese bei niederländischen Rohwollhändlern gekauft.
(Wo ich die Wolle für meine gezeigten Shetland-Projekte gekauft habe, könnt ihr in meinen Ravelry-Projekten nachlesen.)

Spinnen, Garne, Projekte

Ich spinne Shetlandwolle ausgesprochen gerne. Sie lässt sich leicht ausziehen, aber flutscht nicht. Sie ist griffig und dennoch weich. Und genauso vielseitig sind auch die Garne.
Rolags und kardierte Fasern spinne ich gerne im langen Auszug, weil sie sich locker und elastisch ausziehen lassen. Die Fasern halten leicht aneinander und lassen sich dadurch auch schon mit wenig Drallaufwand spinnen.

Ich finde der lange Auszug passt besser zu den Fasern und spinne Kammzüge gerne auch aus der Falte im langen Auszug.
Meine handgekämmten Fasern habe ich aber mal im kurzen Auszug gesponnen und muss sagen, dass mich das Ergebnis sehr positiv überrascht hat. Obwohl ich schon so häufig mit der Wolle gearbeitet habe, hätte ich nicht gedacht, dass man so ein glattes, gleichmäßiges und dichtes Garn daraus spinnen kann.

Ich würde sogar wagen zu behaupten, dass Garne aus handgekämmten Fasern glatter und dichter werden, als aus industriell aufbereiteten Kammzügen.

Traditionell wurde Shetland sehr vielseitig eingesetzt. Lacetücher, Schals, Pullover, Tweedstoffe! All das liegt im Bereich des möglichen mit diesem tollen Material. Ich habe schon viele Projekte aus Shetlandwolle gemacht und stricke gerade wieder an einem Cowl, in dem ich ein graues Shetlandgarn verwende, das ich im Sommer aus selbstgewaschener und -kardierter Wolle gesponnen habe.

Hier ein paar Bilder, der Sachen, die ich bisher aus Shetland-Wolle gemacht habe:

Sowohl die Jacke, als auch der Rock in diesem Bild sind aus Shetlandwolle!

Fotos/Quellen

Die Schaffotos, die ich im Video zeige stammen von:

By Andrew from UK – 20061022_0025, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6868638 (Die bunten Sheltand-Schafe)
By Richard New Forest – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6729267 (Das weiße grasende Schaf)
By Jean – https://www.flickr.com/photos/7326810@N08/5058598916, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40811520 (Das kleine gehörnte moorit (Farbe) Schaf)

Alle anderen Schafbilder stammen von Shutterstock und wurden innerhalb eines Lizenzvertrags erworben:

Kleines weißes Schaf: Von Tony Mills / 1013809303
Braunes gehörntes Schaf: Von Jonathan_Densford / 718099330
Drei bunte Schafe: Von E.J.Johnson Photography / 345996338
Braunes Mutterschaf mit zwei Lämmern:
Von Peter Turner Photography / 1382693732

Informationen zu Shetland Sheep Society findet ihr unter:
http://shetland-sheep.org.uk/

Weitere Informationen zu Rasse der Shetland-Schafe habe ich hier gefunden:
Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Shetland_sheep

3 Kommentare zu “Faserlexikon: Shetland

  1. Hallo Chanti, das Video ist ganz toll, interessant und sehr informativ. Ich bekomme große Lust auf die Wolle. Gleich schaue ich mich nach Züchtern in Deutschland um. Ich weiß noch aus meiner Kindheit, dass es etwas ganz besonderes war einen Shetland-Pullover zu haben. DANKE.

    • Ach wie schön, dass du da sogar eine Erinnerung an deine Kindheit hast. Mittlerweile gibt es tatsächlich ein paar Züchter in Deutschland, aber viele sind es nicht, meine ich.

  2. Christa Weitbrecht

    Liebe Chanti, ich bin ein grosser Shetland Wolle Fan. Ich habe einen naturweissen Pullover seit mindestens 10 Jahren, den ich unheimlich gern trage; er ist zu einer Art ‚Wohnpullover‘ geworden!
    LG Christa

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