Neues Projekt: Lacegarn aus Polwarth mit Bambus

Es juckt in meinen Fingern. Ich möchte gerne ein neues Lacetuch stricken. Vielleicht erinnert ihr euch an den tollen Pi Shawl, den ich letzes Jahr aus einem handgesponnenen Bluefaced Leicester Singlegarn gestrickt hatte? Ich liebe ihn und ich möchte noch einen, aber ein bisschen anders.

Pi Shawl aus handgesponnenem Bluefaced Leicester Singlegarn

Vor kurzem habe ich von einer Zuschauerin eine unterstützte Spindel bekommen, um meinen Spindel Repertoire für Kurse zu erweitern. Beigelegt hatte sie diese wunderbaren Kammzüge aus 70% Polwarth und 30% Bambus (Viskose) gefärbt von Woll Mantra.

Die Farbkombination hat mich sofort überzeugt – obwohl ich mir sicher war, dass ich die Kammzüge nicht so verspinnen werde, wie sie sind. Denn solche Mischungen, mische ich lieber noch Mal nach, um ein gleichmäßigeres Ergebnis zu bekommen.

Während der Tour de Fleece 2020 dürstete es mich dann nach einem Spindelprojekt für Unterwegs und mir kamen diese wunderbaren Kammzüge und mein Wunsch nach einem neuen Lacetuch in den Sinn. Meine Vorstellung ist ein geschmeidiges (Polwarth ist super weich), glänzendes (Bambus) Tuch mit einem schönen Faltenwurf.

Ich wollte die Kammzüge noch Mal durchkardieren, aber ungerene alle Farben zusammen mischen. Daher habe ich die Kammzüge auseinander gerupft und sortiert.

Was sich ganz schwer fotografieren lässt, ist der Unterschied zwischen den Blautönen. Die in der Mitte sind sehr viel grüner, als die ganz oben.

Die einzelnen Farben habe ich dann noch ein paar Mal durch Kardiergerät (meinen Hero von Woolmakers) gejagt.

Das Grau wurde dadurch natürlich deutlich aufgehellt. Und auch wenn die Blautöne nun noch näher aneinander sind, sind sie eigentlich unterschiedlich. Auf diesem Bild kann man es wohl erahnen, wenn man es weiß.

Am 11. Juli 2020 habe ich dann angefangen zu spinnen. Ich verwende meine geliebten Wechselwirtelspindeln (Stäbe von Pallia und NiddyNoddyUK) mit einem selbst gemachten 7g Fimo-Wirtel.
Gesponnen wird sehr fein im langen Auszug mit Hilfe einer Fingerkunkel von Ulrich Plehn.

Nachdem ich die dritte Spindel voll hatte, habe ich die ersten zwei Fäden abgewickelt und angefangen zu verzwirnen. Mein Plan ist tatsächlich ausnahmsweise Mal parallel zu stricken und zu spinnen. In der Regel versuche ich ja immer einen Arbeitsschritt komplett abzuschließen, bevor ich mit dem nächsten anfange. Also zum Beispiel alle Fasern zu spinnen, dann erst alle Fäden zu verzwirnen und dann alles zu verstricken.

Im Moment habe ich so viel im Kopf, dass ich dachte, es sei vielleicht einen Versuch wert, es mal anders zu machen. Und dadurch meine verschiedenen Interessen und Leidenschaften besser befriedigen zu können. Da ich bei diesem Projekt eigentlich ziemlich im Automodus spinne, befürchte ich auch nicht total aus dem Rythmus zu kommen.

Beim Abwickeln der ersten zwei Spindeln, habe ich eine Spindel mit einem Gummi gesichert, weil sie sonst immer aus ihrer Halterung flog.
Ich habe zwei der super feinen Fäden zu einem Zwirnknäuel gewickelt, um mir das Verzwirnen zu erleichtern.

Verzwirnt habe ich dann mit einer Wechselwirtelspindel, allerdings dieses Mal mit einem 21g schweren Zinn-Wirtel von NiddyNoddyUK. Auch das ist ungewöhnlich an diesem Projekt. Normalerweise zwirne ich gerne mit “normalen” Spindeln, weil es bei meinen bisherigen Versuchen mit Wechselwirtelspindeln nicht so recht flüssig laufen wollte. Aber dieses Mal hat es fantastisch geklappt – wahrscheinlich doch wieder alles eine Sache der Übung.

Der erste fertige Strang wiegt 20g, hat einen WPI von 31 und eine Länge von ca. 128m (639m/100) – ja, ich habe die Lauflänge gemessen. Wer meinen letzten Podcast gesehen hat, weiß, dass ich das sehr ungerne tue. Im nächsten Podcast werde ich noch Mal darüber sprechen.

Auf dem Bild ist das Garn noch ungebadet – gerade jetzt im Moment (21.07.2020) liegt es zum Trocknen im Garten. Ich bin ganz froh, dass ich schon einen Strang verzwirnt habe, denn ich hadere noch mit mir, ob ich nicht gerne ein etwas dichteres Garn mit etwas mehr Drall möchte. Ich bin derweil bei der vierten Spindel angelangt und könnte die bisher gesponnenen Fäden ja durchaus noch einmal nachdrehen. Aber darüber werde ich wohl noch ein, zwei Nächste schlafen.

In der Zwischenzeit spinne ich weiter an meinem aktuellen Spinnrad-Projekt: Bowmont. Darüber werde ich euch auch noch ausführlich berichten.

4 Kommentare zu “Neues Projekt: Lacegarn aus Polwarth mit Bambus

  1. Angelika Nistl-Janssen

    Hallo Shanti,
    es ist unglaublich, was Du da alles verarbeitest und daraus machst ! Einfach toll !!! Ich würde auch gerne einmal so spinnen lernen, aber da muss man dabei bleiben können. Im Moment schaffe ich das noch nicht…. Mit der Handspindel habe ich schon angefangen, das klappt schon ganz gut, aber der Faden reißt noch leicht nach dem Abwickeln. Wahrscheinlich ist er zu wenig verdreht.
    Ich habe gesehen, dass es von Ashford auch ein elektrisches transportables kleines Spinnrad gibt und habe schon überlegt, ob das gut funktioniert, aber da muss man ja grundsätzlich mit dem Spinnrad spinnen können, sonst klappt das auch nicht.

    Alles Gute und hoffentlich machst Du wieder einmal einen Kurs in Österreich !
    Liebe Grüße

    Angelika

    • Liebe Angelika, ganz lieben Dank für deinen netten Kommentar. Der Espinner von Ashford ist sehr sehr praktisch! Muss man dafür schon am Spinnrad spinnen können? Nicht zwangsläufig, finde ich. Das komplizierte beim Spinnen am Spinnrad ist gleichzeitig zu treten und auszuziehen, während man an der Spindel abwechselnd arbeiten kann – wenn man noch lernt. Beim Espinner fällt das Treten natürlich weg, von daher ist es nicht so anders als mit einer Spindel im Flug zu spinnen – vielleicht sogar noch einfacher, weil sich der Espinner nicht wieder zurück dreht, wie die Spindel. Darüber hinaus kann man ihn auf sehr langsam einstellen – am “richtigen” Spinnrad hat man schnell Überdrall im Faden, wenn man dazu neigt schnell zu treten 😉 Ich würde nicht sagen, dass ein Espinner das ultimative Anfängergerät ist, aber ausschließen würde ich ihn nicht, glaube ich. Ich hoffe das hilft dir ein wenig weiter. Ganz liebe Grüße, Chanti

  2. Angelika Nistl-Janssen

    P.S. Entschuldige, ich habe Deinen Namen falsch geschrieben – Chanti sollte das natürlich heißen !! Sorry !

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