Waschen oder nicht waschen (Hund, Lama, Alpaka, Angora, Mohair etc.)

Zum Waschen von Rohwolle gibt es im Netz zahlreiche Anleitungen. Vielen hat auch mein Video dazu geholfen, wie ich immer wieder höre. Aber bei anderen Fasern scheiden sich die Geister. Immer höre ich von Spinner*innen bei Kursen, dass sie nicht wissen, ob man Tierhaare wie Hund, Alpaka, Lama oder Kaschmir (und andere) waschen soll oder nicht. Und wenn ja wie. Daher widme ich dem Thema heute ein eigenes Video.

Meine Ansichten und Gedanken dazu, sind natürlich auch subjektiv und stellen sicher nur eine Seite der Medaille da. Dennoch möchte ich euch gerne daran teil haben lassen.

Warum ich alle Tierhaare wasche

Ich persönlich wasche grundsätzlich alle Tierhaare, die ich spinnend weiterverarbeiten möchte. Schließlich sind es Tierhaare. Und die meisten Tiere leben (zum Glück) nicht in einer isolierten und sterilisierten Kiste.
Selbst ein Käfig oder ein Gehege, das regelmäßig gereinigt wird, bietet Raum für Staub, Pflanzenreste und andere Partikel, die im Fell der Tiere landen können. Diese entferne ich nach Möglichkeit, bevor ich die Fasern verspinne.

Spitz-Fasern ungewaschen

Darüber hinaus können Tiere, und auch ihr Fell, Krankheiten übertragen. Und auch das ist für mich ein ganz wichtiger Grund aller Tierhaare zu waschen, bevor ich weiter mit Ihnen arbeite. Selbst vermeintlich gesunde Tiere, können Vieren transportieren, die für den Menschen eventuell schädlich sind. Man kann den Fasern in der Regel nicht ansehen, ob sie Krankheitserreger enthält. Daher geht die Sicherheit in meinen Augen immer vor. 

Schafe sind die einzigen Tiere, die Wollfett produzieren. Das Fell von Lamas, Alpakas oder Angoraziegen kann sich schon Mal ölig anfühlen, wird aber nie so fettig sein, wie Schafwolle. Und das scheint für viele auch ein Argument gegen das Waschen zu sein. Denn wenn das Wollfett nicht entfernt werden muss, muss die Wolle auch nicht gewaschen werden, so der Irrglaube (in meinen Augen). 

Wer aber einmal Hundefasern, Alpakafell oder Kaschmirlocken gewaschen hat und die Farbe des Wassers gesehen hat, wird sicher ebenso schnell wie ich davon überzeugt sein, dass die Fasern in der Regel nicht so sauber sind, wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein macht. 

Akita-Fasern (Hund), die ich 2018 als Auftragsarbeit verarbeitet habe.

Wie ich Tierhaare wasche

Der Vorteil der Fettlosigkeit bei den meisten Tierhaaren ist tatsächlich, dass das Waschen viel weniger aufwendig ist.Es braucht häufig weniger Wasser und weniger Seife – und ohnehin mildere Seifen. 

Der Ablauf ist bei mir erst Mal immer der gleiche wie bei Schafwolle. Ich wiege die Fasern in Portionen ab und fülle sie in Feinwaschbeutel. Je nach dem lockere ich die Fasern dabei ein wenig auf, um sicherzugehen, dass sie im Wasser nicht zu sehr klumpen.
Dann weiche ich die Fasern mit ein wenig Waschmittel (mildes Shampoo oder Unicorn FibreWash) in heißem Wasser ein – für ca. 15 Minuten. In der Regel hat mein Waschwasser zumindest 50°C und es sollte so viel Wasser sein, dass die Fasern schwimmen können. 

Tipp: Bei Hunderfasern, die riechen, gebe ich zusätzlich noch einen Tropfen Teebaumöl ins Wasser, um den Geruch zu neutralisieren. 

Darauf folgen in der Regel noch ein bis zwei 15minütige Bäder in klarem heißem Wasser. Dann lege ich die Fasern zum Trocknen aus. 
Das ist es auch schon. Schmerzfrei, schnell und einfach. Keine Bewegung! Kein Reiben! Schlichtes Einweichen und die Fasern sind fertig zum Verspinnen.

Noch ein Tipp: Ich persönlich verwende beim letzten Bad gerne noch ein wenig Unicorn FibreRinse (alternativ geht auch Conditioner/Haarspülung), weil es etwas antistatisch wirkt und somit das herumfliegen und aufplustern der Fasern bei der späteren Verarbeitung ein wenig gemildert wird – ein wenig 😉

Akita-Fasern zum Trocknen ausgebreitet

Und dann?

Ob man danach nun noch kardiert, kämmt oder einfach aus der Locke spinnt, ist noch Mal ein ganz anderes Thema. Ich hatte neulich mal ein Video gemacht, in dem ich die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Aufbereitungsarten erkläre. Vielleicht hilft das manchen von euch ein wenig bei der Entscheidungsfindung. 

Spitz-Fasern gewaschen und kardiert

Ich hoffe meine Beschreibung hilft euch ein wenig weiter. Ich bin gespannt auf euer Feedback.Schreibt doch in den Kommentaren gerne Mal wie ihr mit solchen Tierfasern umgeht. Ich würde mich freuen.

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2 Kommentare zu “Waschen oder nicht waschen (Hund, Lama, Alpaka, Angora, Mohair etc.)

  1. Johanna Entfellner

    Liebe Chanti,
    erst einmal meinen Glückwunsch zu deiner Arbeit, deine Ratschläge und Tipps sind immer sehr nützlich.
    Ich verarbeite auch Hundehaare, d.h. ich habe beim Bürsten meines Hundes entschieden, dass ich Spinnen lernen muss. Ich wasche die Hundehaare immer vorsichtig mit Hundeshampoo und gut warmen Wasser in einer Plastikschüssel. Die Haare aus der Hundebürste sind gut vermischt und man kann sie beim Waschen schon ein bischen kneten. Zum Klarspülen benutze ich ein feines Küchensieb, damit nicht zuviele Haare verloren gehen.
    Die Hunde laufen und spielen gerne herum und haben mindestens vor dem Bürsten eine gewisse Staubmenge im Fell und befindet sich somit auf den ausgebürsteten Haaren.
    Viele Grüsse
    Johanna

  2. Danke für deine Ausführungen, die wieder amal sehr nützlich waren/sind

    Und jetzt ganz was anderes: wie kann man denn ein Video seitenverkehrt einstellen? Und warum hast Du das seitenverkehrt eingestellt?

    Liebe Grüße
    Ela

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