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Bunte Fasern überfärben

Manchmal kommt es im Leben jeder SpinnerIn vor, dass man bunte Fasern im Vorrat hat, die einem einfach nicht mehr so gefallen, wie beim Kauf. Natürlich kann man die Fasern verkaufen oder tauschen. Aber gelegentlich kann es auch schon helfen die Fasern zu überfärben, damit sie wieder zu den eigenen Vorlieben passen. Ich zeige euch im Video und den folgenden Beschreibungen ein Beispiel, stelle euch die Glasfärbung vor und zeige euch meine Formeln zum Berechnen von Farbpulver- und Säuremengen.

Was ihr braucht

Grundsätzlich könnt ihr natürlich Fasern mit der Technik eurer Wahl überfärben. Ob im Backofen, als Folienfärbung in der Mikrowelle oder Topffärbung, um nur einige zu nennen.

Ich zeige euch die Glasfärbung und dafür benötigt ihr:
– Einmachgläser (meine fassen 500ml und etwa 100g Fasern)
– Löffel zum Umrühren (der nur zum Färben verwendet wird)
– Mikrowelle oder Topf für Wasserbad
– Säurefarben (ich benutze im Beispiel Wosepo-Farben von Filzrausch)
– Säure (Zitronensäure oder Essig)
– Optional: Messlöffel für die Säure
– Eine Waage (zum Abwiegen der Fasern)
– Optional: eine Feinwaage (wenn ihr die Farbpulvermenge genau bestimmen wollt)
– Optional: ein Behälter zum Abwiegen des Farbpulvers mit der Feinwaage
– Wasser
– Gummi-Handschuhe
– Schürze
– Mundschutz
– Eine Unterlage für euren Arbeitsbereich

Welche Farben haben die Fasern?

Als erstes gilt es natürlich zu bestimmen, welche Farben schon auf den Fasern sind und wie diese gefärbt sind. Sind die Fasern kräftig durchgefärbt, wird das Ergebnis auf jeden Fall dunkler und man sollte nicht zu viel Farbe hinzugeben. Bei pastelligen, fleckigen Färbungen kann man mehr Farbe zum Überfärben verwenden, je nach gewünschtem Ergebnis.

Grundsätzlich sollte man bedenken, dass das Überfärben die neu aufgebrachten Farben mit den schon vorhandenen Farben mischt. Habe ich einen gelben Kammzug und überfärbe ihn Blau, wird er Grün. Klingt logisch, nicht wahr?

Die gezeigten Fasern sind übrigens von Flinkhand und wurden von einer Zuschauerin für das Video gespendet.

Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass es Farben gibt, die sich gegenseitig abtönen. Sogenannte Komplementärfarben liegen sich im Farbkreis gegenüber und ergeben vermischt ein gräuliches oder braunes Ergebnis. Das muss aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Auch ein schönes Grau kann entzücken und vielleicht sogar einen Kammzug retten, den man ansonsten niiiiiiiemals wieder in die Hand genommen hätte.

Erst die Fasern abwiegen, dann die Farben

Als Grundlage für die Menge des Farbpulvers dient das Fasergewicht. Durch die Menge des Farbpulvers im Verhältnis zum Gewicht der Fasern, kann man die Intensität der Farbe bestimmen. In der Regel geht man von Verhältnissen zwischen 0,5-3% aus. Wobei eine 0,5%-Färbung ein Pastell-Ergebnis ergibt, eine 3%-Färbung folglich eine sehr gesättigte tiefe Farbe.

Wir gehen aber nicht von weißen Fasern aus, sondern solchen die schon Mal gefärbt wurden. Berücksichtigt das, wenn ihr euer Farbverhältnis festlegt. In meinem Beispiel habe ich mit einem hell gefärbten Kammzug mit weißen Stellen gearbeitet. Ich habe mich für eine 1%-Färbung entschieden, um die weißen Stellen kräftig zu färben, aber insgesamt nicht zu viel Farbe zu den bereits gefärbten Stellen hinzu zu geben.

Formel zur Berechnung der Farbpulver-Menge

Für Glas und Topffärbungen, könnt ihr die Menge des Farbpulvers einfach anhand des Fasergewichts berechnen:

Beispiel: 
10g Fasern
1% Färbung
10g/100×1 = 0,1g Farbpulver

Würde ich eine Folienfärbung machen, für die ich flüssige Farbe brauche, um sie auf die Fasern aufbringen zu können, würde ich eine Farblösung anmischen. Eine Farblösung berechne ich in einem 1:1-Verhältnis zum Gewicht der Fasern. Die Verhältnis des Farbpulvers bleibt gleich.

Beispiel für Folienfärbungen: 
10g Fasern
Farblösung 1:1 also 10ml
1% Färbung

10g/100×1 = 0,1g Farbpulver auf 10ml Wasser

…und dann die Säure

Um die Farbe zu fixieren brauchen wir eine Säure. Ich verwende Zitronensäure, die ich als Granulat kaufe und selbst auflöse. Die Lösung kann man in einem geschlossenen Behälter lange aufbewahren! Dazu kommt, dass Zitronensäure sehr ergiebig ist und nicht so streng riecht wie Essig.
Die Lösung mische ich in einem 1:2-Verhältnis. In der Regel mische ich 500g Granulat mit 1l (1000ml) kochendem Wasser, lasse das Ganze abkühlen und fülle es dann in eine Flasche zur Aufbewahrung.

Formeln zur Berechnung der Säure

Im Gegensatz zum Farbpulver, berechnen wir die Menge der benötigten Säure anhand der verwendeten Wassermenge. Undzwar werden 10% der Wassermenge zum Färbebad hinzugefügt.

Beispiel:
In meine Gläser passen 500ml, ich fülle aber nur 250ml ein, weil ich nur kleine Fasermengen färbe.
10% Säure
250ml Wasser
250ml/100×10 = 25ml Zitronensäure

Bei Folienfärbungen legen wir die Menge der Farblösung zu Grunde.

Beispiel für Folienfärbungen:
10% Säure
10ml Farblösung (Berechnung siehe oben)
10ml/100×10 = 1ml Zitronensäure (wird direkt der Farblösung beigegeben)

Alles ins Glas und gut rühren

Glasfärbungen sind einfach, schnell und unheimlich praktisch. Ich gebe erst Mal die gewünschte Menge heißes Wasser ins Glas. Dann gebe ich das abgewogene Farbpulver hinzu, rühre gut um und füge die gewünschte Menge Zitronensäure hinzu. Das Ganze wird noch Mal gut durchgerührt und dann kommen die Fasern hinzu.
Die Fasern werden nicht gerührt! Nicht rühren!
Spaß beiseite…

Ich empfehle euch die Fasern vorher einzuweichen, wenn ihr größere Mengen färben wollte. Im Video habe ich nur mit kleinen Mengen gearbeitet und den Schritt einfach übersprungen.

In meine Mikrowelle passen drei Gläser gleichzeitig. Ich meinen Einmachtöpfen kann ich sogar viel mehr Gläser auf einmal im Wasserbad erhitzen. Die Methode ist daher sehr ressourcenschonend und praktisch. Gerade wenn ihr größere Mengen färben wollt.

In der Mikrowelle habe ich mit zwei Durchgängen á 3 Minuten auf 600 Watt gute

Erfahrungen gemacht. Im Wasserbad, erhitze ich das Wasser auf etwa 80°C, stelle die Gläser hinein und schließe den Topf mit einem Deckel. Die Dauer variiert meiner Erfahrung nach, je nach Menge der zu färbenden Fasern. In der Regel dauert es zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Wenn ihr es selbst probiert, schaut ruhig einfach hin und wieder nach, wie es in den Gläsern aussieht bzw. ob das Wasser schon klar geworden ist. Das sollte auch bei der Mikrowellen-Variante das Ziel sein.

Probieren und Ergebnisse auswerten

Wenn ihr euch unsicher seid, wie euer Kammzug oder Vlies überfärbt aussieht, dann färbt erst Mal nur eine kleine Probe, so wie ich es für dieses Experiment gemacht habe. Trennt einfach einen Streifen ab und berechnet die Färbung wie oben beschrieben. Gefällt euch das Ergebnis nicht, könnt ihr noch eine Probe machen ohne eure Fasern komplett ruiniert zu haben. Dabei lernt ihr auch unweigerlich eine Menge über das Zusammenspiel von Farben und über die Farben, die ihr verwendet.

Meine Ergebnisse sind zum Beispiel erstaunlich kräftig geworden. Ich könnte mir also überlegen noch eine Probe mit einem geringeren Farbverhältnis zu machen. Der Schwarz überfärbte Kammzug in der Mitte gefällt mir unheimlich gut, weil er dunkel geworden ist, aber trotzdem noch alle Farben in einer sehr abgetönten Variante sichtbar sind. Auch in den anderen Überfärbungen sind jetzt sehr viel mehr Farbschattierungen zu sehen, die dadurch entstanden sind, dass sich die Ursprungsfarben mit der neu aufgebrachten Farbe gemischt haben, aber auch die weißen Stellen neu eingefärbt wurden.

Habt ihr schon Mal überfärbt? Naturfarben oder handgefärbte Fasern?
Schreibt gerne einen Kommentar!

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