Färben mit Efeu

Einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr war wieder einmal (nach langer langer Zeit) ein paar Pflanzenfänrbungen auszuprobieren. In einem meiner Onlinekurse sprach eine meiner Schülerinnen davon, dass sie in einem anderen Kurs mit Efeu gefärbt hatte. Da Efeu in unserem Garten im Überfluss vorhanden ist, war mir klar, dass ich das unbedingt ausprobieren muss.

Also nahm ich das Buch “Naturfarben auf Wolle und Seide” von Dorothea Fischer zu Hand und schaut nach, ob sie auch etwas über Efeu zu sagen hatte. Und tatsächlich gab es einige Beschreibungen zum Färben mit getrockneten Efeu-Blättern, die ich mir gut durchlas und beschloss ein paar Dinge zu ändern. Ich wollte zum einen nicht im Topf, sondern in Gläsern in Form einer Solarfärbung färben und zum anderen sah ich erst einmal keinen Sinn darin die Blätter erst zu trocknen.

Dorotheas beizt in ihrem Buch mit Alaun und spricht davon, dass die Färbung ohne weitere Zugaben Gelb wird. Sie beschreibt aber auch eine Weiterentwicklung zu Grün mit Hilfe von Eisensulfat. Also bestellte ich erst einmal Alaun (weil ich keines mehr hatte) und Eisensulfat (bei Wullstuuv.de).

Ich startete nach dem letzten Stutzen der Hecke Anfang Juli damit, die Blätter von den Ranken zu trennen und ein paar Tage in meinem Trockennetz ruhen lies.

Am 15.07.2020 habe ich dann abgewogen wie viel frischen Efeu ich habe. Ich kam auf insgesamt etwa 550g Blätter. Diese habe ich erst einmal grob in zwei Portionen aufgeteilt und in kaltem Wasser eingeweicht.

Dann habe ich kardierte Shetland-Wolle aus meinen Vorrat geholt und zweimal ca. 150 abgewogen – um zwei verschiedene Färbungen anzusetzen.

Färbung #1

Für die erste Färbung habe ich 150g Wolle mit 14% (als 21g) Alaun für 2 Stunden im Topf gebeizt. Dafür habe ich das Alaun vorher einmal im Wasser aufkochen lassen, und dann die Wolle zugegeben als das Wasser wieder ca. 70 Grad hatte und dann versucht diese Temperatur zu halten.

Parallel habe ich ca. 270g Efeu (etwa 180%) ebenfalls in einem Topf für etwa 1,5 Stunden kochen lassen. Dann habe ich das Efeu aus dem Wasser geholt, 4% Eisensulfat (10g) abgewogen, in heißem Wasser aufgelöst und in den Färbesud gegeben.

Durch Zugabe des Eisensulfats kriegt der Färbesud direkt eine grünlich-bläuliche Farbe.

Dann habe ich die Wolle und das Efeu frei Schnauze auf 4 Gläser aufgeteilt und mit dem Färbesud aufgegossen. Die Gläser (lange 1l Gläser) habe ich mit Deckeln verschlossen und in den Garten gestellt.

Färbung #2

Bei der zweiten Portion habe ich die gleiche Menge Fasern wie oben beschrieben gebeizt.
Die Efeublätter habe ich allerdings nur einmal kurz aufgekocht und dann wieder heraus geholt. Dieses Mal habe ich 5% Eisensulfat, also etwa 14g abgewogen und in den Färbesud gegeben.

Weil ich nicht mehr genug große 1l Gläser hatte, habe die Wolle und das Efeu auf 5 Gläser, zwei davon etwas kleiner, aufgeteilt und wie vorher auch den Färbesud dazu gegeben.

Leider hatte ich auch nicht genug Schraubdeckel zur Verfügung (mir scheinen welche Abhanden gekommen zu sein). Daher habe ich die Gläser jeweils mit einem Stück Frischhaltefolie und Baumwolltuch abgedeckt und diesen improvisierten Deckel mit einem Gummiband befestigt (da die Gummibänder in der Sonne porös geworden und abgesprungen sind, habe ich die “Deckel” dann mit etwas Garn umwickelt und fest geknotet).

Der Vorteil dieser improvisierten Deckel war, dass ich Färung #1 und Färbung #2 gut voneinander unterscheiden konnte.

Die Färbegläser direkt nach dem Abfüllen. Färbung #1 mit den weiß-roten Schraubdeckeln und Färbung #2 mit improvisierten Abdeckungen.

Eine Solarfärbung wird durch Sonneneinstrahlung fixiert. Das Färbegut im Glas wird warm und so wird die Farbe fixiert. Da keine konstante Temperatur herrscht überlässt man den Rest der Zeit.

Weiterentwicklung durch Eisensulfat

Dorothea Fischer schreibt in ihrem Buch, dass Grünfärbungen mit Eisensulfat besser erreicht werden, wenn die Wolle von Zeit zu Zeit aus dem Topf an die Luft gehoben wird. Also nahm ich mir vor, die Gläser hin und wieder auszupacken, um diesen Effekt zu simulieren.

22.07.2020 – 7 Tage im Glas

Am 06.08.2020 (nach 23 Tagen) wollte ich das das erste Mal machen. Dabei fiel mir auf, dass meine improvisierten Folien-Baumwoll-Deckel offensichtlich luftdurchlässig genug waren, um die Wolle schon um einiges grüner werden zu lassen, als die in den anderen Gläsern. Aber leider auch, dass sich auf dem Efeu etwas Schimmel oder zumindest eine Flechte bildete. Weshalb ich das Experiment von Färbung #2 an der Stelle abbrach – klar ich hätte auch noch Deckel kaufen können, hab ich aber nicht.

Färbung #2

Schimmel auf den Efeublättern der Färbung #2

Die Wolle fühlte sich sehr seifig an – ich hatte vorher schon von einigen anderen gehört, dass Efeu wohl auch zum Waschen genutzt werden kann. Daher habe ich sie erst Mal gut austrocknen lassen. Ich wollte sie nicht direkt ausspülen, um ein Verfilzen zu vermeiden.

Shetland-Wolle aus Färbung #2 zum Trocknen ausgelegt.

Die Farben gefallen mir auf jeden Fall schon Mal ausgesprochen gut. Sie rangieren zwischen Blassgelb, Gelb und verschiedenen mitunter sehr bläulich silbrigen Grüntönen.

Färbung #1

Die Gläser der Färbung #1 habe ich alle einmal ausgeleert, den Inhalt kurz an der Luft liegen gelassen und dann wieder eingepackt. Tatsächlich sah die Farbe kurz danach noch intensiver aus.

07.08.2020 – 24 Tage im Glas mit einer kurzen Luft-Unterbrechung

Nächste Woche werde ich die Gläser aus Färbung #1 noch Mal ausleeren und dann entscheiden, ob ich sie noch Mal einpacke oder es dabei belasse. Auch muss die Wolle aus Färbung #2 noch ausgespült werden. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden.

3 Kommentare zu “Färben mit Efeu

  1. Geilo! =D

    Du stichelst mich dazu an mit Goldrute zu färben. 😉

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