Fertiges Garn: Ein Regenbogen aus Bergschaf

Gerade w├Ąhrend der momentan recht doch tr├╝ben Sommertage 2020 hat dieses Projekt eine Menge Licht ins Dunkel gebracht. Eigentlich hatte ich gar nicht den Plan einen Regenbogen zu spinnen. Das Projekt ist eher zu mir gekommen, als anders herum.

Angefangen hat es mit einem meine Onlinekurse ├╝ber Farbverl├Ąufe Anfang Juni 2020. W├Ąhrend des Kurses versuche ich auch immer einen Farbverlauf zu mischen und quasi aktiv mitzumachen. Ich habe eine Kiste voller Bergschaf Kardenb├Ąnder in Grundfarben, die ich daf├╝r verwende. Ich hatte hellblaue, gelbe und rote Fasern zur Hand genommen und habe einen Verlauf mit 11 Abschnitten geplant und die Mengen prozentual berechnet und abgewogen.

Ich habe mich f├╝r 10% Abschnitte entschieden. Also 100% von einer Farbe im ersten Abschnitt, 90% im n├Ąchsten, gemischt mit Farbe 2. Daraufhin nur 80% von der ersten Farbe und 20% von der zweiten und so weiter.
F├╝r den ersten Abschnitt habe ich also nur 6g blaue Fasern verwendet, f├╝r den n├Ąchsten 5,4g blaue Fasern und 0,6 g Gelbe und so weiter. Der Verlauf lief also anf├Ąnglich nur von Blau ├╝ber Gelb zu Rot. Die einzelnen Portionen habe ich dann mit dem Kardierger├Ąt (dem Hero von Woolmakers) jeweils dreimal durch kardiert.

Eigentlich hatte ich ├╝berlegt den Verlauf anders anzuordnen, also zum Beispiel von Gelb ├╝ber Blau zu Rot. Aber der h├╝bsche Fast-Regenbogen ist mir einfach so passiert.

Erst kurz danach h├Ârte ich vom #regenbogenkal2020, der von Sissi (@_trochilida) im Rahmen des Yarn-Pride 2020 organisiert wurde. Und schon war ich inspririert aus meinem Farbverlauf einen ganzen Regenbogen zu machen. Dazu fehlte mir neben dem Blau noch ein Abschnitt mit Lilat├Ânen.

Also habe ich noch Mal in die Faserkiste gegriffen. Erst habe ich es mit Blau und Rot probiert, aber die T├Âne waren in ihrer Farbtiefe zu unterschiedlich und das Blau hatte wahrscheinlich zu viel Gr├╝nanteil, so dass sich eher ein abget├Ântes Rot in den Abstufungen ergab. Also habe ich das Rot durch Magenta ersetzt und wunderbar passende Lilat├Âne erhalten.

Links die Mischungen aus Blau und Magenta, rechts die Mischungen aus Blau und Rot

Da ich meinen Regenbogen nun zusammen hatte, nahm ich mir das Verspinnen f├╝r die Tour de Fleece 2020 vor. Meine Herausforderung sollte sein alles am Spinnrad zu spinnen, denn wenn viel los ist, spinne ich in der Regel viel mit der Spindel und g├Ânne mir nur selten die Zeit mich in Ruhe ans Spinnrad zu setzen. Dar├╝ber hinaus war der Plan die F├Ąden gegen den Uhrzeigersinn zu spinnen und im Uhrzeigersinn zu verzwirnen. An sich kein Problem, aber im Trott jedes Mal daran zu denken, ist schon eine kleine Konzentrationsaufgabe – zumal ich jeden Farbabschnitt f├╝r sich spinnen und verzwirnen wollte, um so sp├Ąter die Garne gezielter in einem Webprojekt einsetzen zu k├Ânnen.
Und zu guter Letzt hatte ich mir noch das Ziel gesetzt mit nur zwei Spulen zu arbeiten, das hei├čt jeden gesponnenen Faden direkt ketten zu zwirnen und danach zu haspeln.

Spoiler: Alle Pl├Ąne haben geklappt. Ich habe nur an einem Tag mal ernsthaft dar├╝ber nachgedacht auf Spindeln umzusteigen. Und einen Faden musste ich zweimal spinnen, weil ich ihn tats├Ąchlich aus Gewohnheit nach rechts verdreht habe. Um nicht neu kardieren zu m├╝ssen, habe ich ihn langsam St├╝ck f├╝r St├╝ck am Spinnrad wieder auf und in Gegenrichtung gedreht. Das hat dreimal so lange gedauert, wie das Spinnen selbst. Aber was tut man nicht alles.

Um den ├ťberblick nicht zu verlieren, habe ich alle Faserkn├Ąule mit Hilfe von Baumetiketten nummeriert und in eine Kiste gepackt.

Die Etiketten sind wasserfest und wiederverwendbar. Das finde ich sehr praktisch, weil ich damit dann auch gleich die fertigen Garne labeln konnte.

W├Ąhrend der ersten Etappen habe ich eineige Str├Ąnge spinnen k├Ânnen, so dass ich nach ein paar Tagen schon einen sichtbaren Verlauf fotografieren konnte.

Gesponnen und Verzwirnt habe ich alles mit meinen Louet Viktoria S95 und dem dazu geh├Ârigen Schnellspinnfl├╝gel auf der h├Âchsten ├ťbersetzung (1:20) im langen Auszug. Beim Verzwirnen habe ich darauf geachtet die Garne ein wenig st├Ąrker zu verdrehen als zum Ausgleich notwendig. Ich wollte gerne ein festes Garn, das ich eventuell auch als Kette zum Weben verwenden k├Ânnte.

Sp├Ąter lief es etwas m├╝hseliger, weil ich einige Tage aussetzten musste. Mitte Juli habe ich dann einen Endspurt hingelegt und hatte somit 156g fertiges Regenbogengarn.

Vor dem Endspurt…
Das „Vicky“ wartet auf seinen Einsatz!
Der ganze fertige Regenbogen

Das Garn hat verzwirnt etwa einen WPI von 15 (60 F├Ąden auf 10cm). Also nicht zuuuu d├╝nn. Die St├Ąrke gef├Ąllt mir sehr gut. Ich habe die Garne absichtlich noch nicht gebadet, damit sie eventuell nach dem Weben etwas aufgehen k├Ânnen.

Mein urpr├╝nglicher Plan war das Garn als Kette zu verwenden. Davon bin ich mittlerweile abgekommen. Nicht weil ich Angst h├Ątte, dass die Farben untergehen – das ist eine Frage des Gewebes bzw. der Gewebeart. Was ich schade f├Ąnde, w├Ąre das die Farbstreifen recht schmal werden w├╝rden.
Das Garn vom auf eine St├Ąrke von 60 F├Ąden auf 10cm. W├╝rde ich das Garn in K├Âperbindung weben, w├╝rde ich wohl etwa 45 F├Ąden auf 10cm spannen (60 x 0,75). Das Webst├╝ck soll in etwa 30cm breit werden, das w├Ąren also (45 x 3) 135 Kettf├Ąden.

Insgesamt habe ich 26 Farben, um diese gleichm├Ą├čig auf 135 Kettf├Ąden zu verteilen, rechne ich 135/26 = 5,19. Das hie├če ich w├╝rde ca. 5 F├Ąden pro Farbe spannen und das w├Ąren seeeeeehr schmale Streifen. Der Farbverlauf w├Ąre also ziemlich gedr├╝ckt und das f├Ąnde ich schade. Es k├Ânnte nat├╝rlich fantastisch aussehen. Aber ich bin mir noch nicht 100ig sicher.

Jeder Strang hat eine Laufl├Ąnge von etwa 10 Metern (auf 6g), ich d├╝rfte (ja, ich hab es nicht genau nachgemessen) also insgesamt eine L├Ąnge von etwa 260m haben.

Ich m├Âchte aus dem Stoff gerne einen Umschlag f├╝r einen Ordner machen, in dem ich meine Proben von Farbexperimenten mit Garnen und Fasern aufbewahre. Darauf freue ich mich schon riesig. Aber nun muss ich erst einmal ein zweites Garn, entweder f├╝r die Kette oder f├╝r den Schu├č spinnen, dass sich gut mit diesem wunderbaren Regenbogen kombinieren l├Ąsst. Wahrscheinlich ein ruhiges Unifarbenes Garn, vielleicht ein helles Grau. Bislang habe ich noch keinen Entschluss gefasst. Aber ich lasse es euch wissen, wenn es soweit ist.

  1. Christa Weitbrecht

    Hallo, liebe Chanti, besteht bei „grau“ nicht die Gefahr, dass alle Deine wunderbaren Farben matter erscheinen – so ├Ąhnlich wie bei weiss?
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dunkle Kontrastfarben die anderen Garne – hier Regenbogen – eher zum Leuchten bringen.
    K├Ânntest Du mit anderen Garnen in ├Ąhnlicher Farb-Konstellation ein kleines Sample machen?
    Herzliche Gr├╝sse, Christa

    • Liebe Christa, danke f├╝r deinen Kommentar. Das stimmt schon, grau w├╝rde eher ein wenig abt├Ânen, aber das finde ich pers├Ânlich auch ganz sch├Ân. Ich tendiere durchaus zu einem dunkleren Ton, aber ganz schwarz f├Ąnde ich in diesem Fall zu kontrastreich, glaube ich.

  2. Anna Kostovskaya

    Liebe Chanti, die Wolle ist sehr sch├Ân gelungen. ├ťberhaupt, die Farben sind ein Gedicht. Die melierte Blau mit Lila schaut sogar nach Harris Tweed. Gemischte farbige Fasern wirken auf mich irgendwie tiefer, obwohl sie dezent sind. Irgendwo im Blog habe ich deine Gr├╝ne Tweedwolle gesehen – das war der Hammer. Klasse!

    • Liebe Anna, danke dir f├╝r deinen lieben Kommentar. Der Vergleich mit Harris Tweed ist ja fast ein Ritterschlag f├╝r mich :D! Ganz lieben Dank und herzliche Gr├╝├če, Chanti

  3. Liebe Chanti,
    da geht einem ja das Herz auf !
    So akribisch auf das Ziel hin ausget├╝ftelt !
    Hatte vor Ostern auch Lust auf ein Projekt. Die Kettf├Ąden hatte ich im Wechsel farbig/ schwarz gew├Ąhlt. Aber ich wollte auch den Kontrast . ( Obwohl ich es oft Ton in Ton bevorzuge ). Sch├Ân wird es auch, wenn Kette und Schuss mit dem Verlaufsgarn gewebt werden. Ach, bekomme sofort wieder Lust…
    Wenn du schauen magst. ( Voll in die Farbe gegriffen )

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