Faserlexikon: Skudde

Skudden sind eine alte europĂ€ische Rasse, die eine Zeit lang sehr stark vom Aussterben bedroht war. Sie ist heute immer noch gefĂ€hrdet. Die Schafe sind sehr klein und robust. Sie sind mischwollig und können weiß, grauweiß, braun oder schwarz sein.  Im folgenden stelle ich euch die Wolle etwas genauer vor und ganz unten findet ihr auch das Video dazu.

Skudde im Winter von —Xocolatl ĂŒber Wikipedia
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilhelma_Skudde.jpg

Wolle

Pro Jahr gibt eine Skudde etwa 2kg Wolle. Verarbeitet man nur die Unterwolle muss man mit etwa 800-1000g rechnen, nachdem man die Deckhaare aussortiert und das Wollfett heraus gewaschen hat. Die Deckhaare können auch verwendet werden, sind aber nicht unbedingt als Strickgarne geeignet.

Die Unterwolle hat in der Regel eine Feinheit zwischen 27 und 35 Mikron bei einer LĂ€nge von 8-12cm. Sie ist mehr oder weniger durchsetzt von Stichelhaaren, die eine gröbere und unelastische Struktur haben. 

Die Deckhaare können bis zu 20cm lang sein und sind mit bis zu 40 Mikron eher grob. 

Skuddenwolle handkardiert und zum Kardenband gezogen
Handkardierte Unterwolle zum Kardenband gezogen

Aufbereitung

Meine prĂ€ferierte Aufbereitungsart fĂŒr die Unterwolle der Skudden ist sie zu kardieren. Daraus ergibt sich ein sehr schönes luftiges Material und Garn. Man kann die Fasern auf Grund ihrer LĂ€nge auch kĂ€mmen und kann sie dann zu einem sehr feinen, festen Kammgarn verspinnen, das sogar etwas glĂ€nzend sein kann. Allerdings fĂ€llt beim KĂ€mmen durchaus viel Material heraus (KĂ€mmling) und man sollte sich sicher sein, dass es sich lohnt. 

Die Deckhaare kann man kĂ€mmen. 

Links: gekÀmmte Fasern im kurzen Auszug gesponnen, Rechts: kardierte Fasern im langen Auszug gesponnen

Spinnen

Insgesamt braucht die Skudden-Unterwolle nicht sehr viel Drall und man sollte vorsichtig sein, sie nicht zu fest einzudrehen, damit sich das Garn nicht drahtig anfĂŒhlt. 

Kardierte Wolle, die gut vorgezogen ist, lĂ€sst sich leicht im langen Auszug spinnen. Daraus ergibt sich ein lockeres, fast schon kuscheliges Garn, dass man gut fĂŒr Bekleidung verwenden kann. Gerade wenn man die Wolle vorher mit weicherer Wolle mischen wĂŒrde. 

GekĂ€mmte Wolle, im kurzen Auszug gesponnen, lĂ€sst sich sehr fein arbeiten. Das Garn ist dann allerdings auch etwas fester und noch kratziger. 

Die Deckhaare lassen sich am besten im kurzen Auszug spinnen mir einem großen Auszugsbereich und sehr sehr wenig Drall spinnen.

Alle gezeigten Proben habe ich zweifach verzwirnt. Die Unterwolle könnte man auch mehrfach verzwirnen. Die Deckhaare sollte man nur klassisch, also nicht ketten- bzw. navajo verzwirnen.

Links: Kammgarn, Oben: Garn aus Deckhaaren, Mitte und Rechts: Proben aus Streichgarn

FĂ€rben

Skuddenwolle lĂ€sst sich sehr leicht fĂ€rben. Selbst die Deckhaare nehmen SĂ€urefarben sehr gut und krĂ€ftig an. 

Garne

Das Streichgarn (kardiert + langer Auszug) lĂ€sst sich wunderbar stricken und gibt ein schönes etwas elastisches Textil mit einer faserigen Struktur. Es eignet sich auch zum Weben, aber eher als Schußgarn. Um es als Kettgarn zu verwenden wĂŒrde ich etwas mehr Drall aufbringen, als in meinen Proben, um das Garn etwas robuster zu machen. 

Das Kammgarn (gekĂ€mmt + kurzer Auszug) wĂ€re durchaus sowohl als Strick- als auch als Webgarn geeignet. Die Struktur ist etwas glatter und dichter. Vielleicht fĂŒr gestrickte Jacken, dekorative TĂŒcher oder als Kettgarn zum Weben.

Das Garn aus dem Deckhaar wĂ€re ein fantastische Kettgarn oder NĂ€hgarn. 

Andere Faserlexikon-Folgen

Fotos im Video 

Muttertier im Zoo von  AndrĂ© Karwath aka Aka ĂŒber Wikipedia CC-Lizenz
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ovis_orientalis_aries_%27Skudde%27_(aka).jpg

Skudde im Winter von —Xocolatl ĂŒber Wikipedia
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilhelma_Skudde.jpg

Gehörnter Bock (geschoren) von Bwiesem ĂŒber Wikipedia CC-Lizenz
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Skudde_Bock.jpg

Weitere Quellen

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