Spinnprojekt: Bowmont

Anfang 2019 habe ich bei Wychwood Spinner in Oxford, England eine Portion Bowmont Rohwolle (etwa 100g) bestellt. Ich hatte schon gelesen, dass diese Schafrasse sehr weiche elastische Wolle haben soll. Daher war ich sehr neugierig und gespannt.

Bowmont Rohwolle

Waschen und Aufbereiten

Gewaschen habe ich die Wolle, so wie ich es in diesem Video zeige. Ich habe nur vorher die Locken ein wenig sortiert und versucht sie in Ordnung zu halten, weil ich mir beim Anblick der Rohwolle dachte, dass sie bestimmt toll zu kÀmmmen sind.

So hĂŒbsche Löckchen!

Nach dem Waschen, blieben mir noch etwa 75g reinlich weiße Wolllocken – wobei die Fasern nicht komplett entfettet waren – und davon habe ich erst Mal so viel gekĂ€mmt wie möglich.

Weil es mir sehr schwer viel die BĂ€nder direkt von den KĂ€mmen zu ziehen, bin ich bald dazu ĂŒbergegangen die gekĂ€mmten Fasern erst Mal auf einen Hackle zu ĂŒbertragen und dann mehrere Portionen gleichzeitig zu einem Band zu ziehen. Das hat sehr viel besser geklappt. Von den KĂ€mmen habe ich die dichten feinen Fasern kaum runter bekommen.

Am Ende hatte ich etwa 13g KammzĂŒge! Also nicht sonderlich viel – aber dafĂŒr wunderschön!

Handgezogene Bowmont KammzĂŒge

Ich beschloss den Rest zu kardieren, um noch so viel wie möglich aus den Fasern raus zu holen.

Bowmont Fasern kardiert

Die kardierten Fasern hatten zusammen gelegt dann ein Gewicht von ca. 30g. Ich habe sie ein wenig zu BĂ€ndern gestreckt, eingewickelt und das Ganze dann erst Mal ca. 1 Jahr lang liegen lassen.

Spinnen: Kammgarn

Erst im FrĂŒhjahr 2020 sind mir die Fasern dann wieder in die HĂ€nde gefallen und wollten nun aber dringlichst gesponnen werden.

Angefangen habe ich mit den gekĂ€mmten Fasern. Mein Plan war sie am Louet Victoria mit dem SchnellspinnflĂŒgel auf der höchsten Übersetzung so dĂŒnn auszuspinnen wie möglich.

Das hat zwar ein paar Stunden gedauert, hat aber auch unendlich viel Spaß gemacht. Die 13g Fasern wollte ich nicht vorher aufteilen, um sie in zwei HĂ€lften zu verspinnen. Als habe ich alles auf eine Spule gesponnen und dann mit der sogenannten Andentechnik, um meine Hand gewickelt, um ein Armband zu haben, das ich dann von beiden Enden aus zusammen zwirnen kann.

Auf der Hand sehen dann auch 13g Faden nach einer ganzen Menge aus!

Fertig verzwirntes Garn auf der Spule

Weil ich mich fragte, ob ich mich nicht doch stark vertan habe, beim Wiegen, habe ich das Garn nach dem Haspeln dann noch einmal gewogen. Aber es waren tatsÀchlich immer noch genau 13g.

Fertiges Bowmont Kammgarn

Das fertige Bowmont Kammgarn hatte einen WPI von ca. 30 und eine LauflÀnge von 120m (also 923m auf 100g). Und es ist tatsÀchlich super weich, sehr kuschelig und schön.

Spinnen: Streichgarn

Als nĂ€chstes habe ich mir dann die kardierten Fasern zur Hand genommen. Diese wollte ich im langen Auszug spinnen und mir war natĂŒrlich klar, dass das Garn um einiges unregelmĂ€ĂŸiger werden wĂŒrde. Nach dem tollen Kammgarn war das selbst fĂŒr mich (die ich texturierte Garne so gerne mag) etwas gewöhnungsbedĂŒrftig. Aber schlußendlich muss man Faseraufbereitungen manchmal auch einfach so nehmen wie sie sind.

Gesponnener Faden aus kardierten Bowmont Fasern

Auch die FÀden (diesmal habe ich tatsÀchlich 2 gesponnen) aus den kardierten Fasern habe ich zweifach verzwirnt.

Einen Teil der Fasern habe ich fĂŒr ein paar Experimente verwendet weswegen ich am Ende mehrere kleine StrĂ€nge und einen verwendbaren Strang aus 18g Garn hatte.

Das fertige Garn hat eine LauflÀnge von 91m (also 505m/100g) und einen WPI von etwa 21, also etwas dicker als das Kammgarn. Beim Messen der NadelstÀrke kam ich dennoch auf etwa 2,25.
Ich habe das Garn verwendet um euch in einem kurzen Instagram-Video zu zeigen, wie ich Garne messe:

Zwischenfazit

Aus dem Kammgarn habe ich schon ein paar Laceproben gestrickt, die ich euch spĂ€ter noch zeigen werden. Insgesamt bin ich von der Faser, ihrer Weichheit und Textur sehr begeistert. Ich könnte mir auch sehr gut einen Pullover aus Bowmont vorstellen. Allerdings wĂŒrde ich die Fasern dafĂŒr nicht unbedingt kĂ€mmen. Das KĂ€mmen war sehr anstrengend und wenig ergiebig – auch wenn das Spinnen der KammzĂŒge sehr viel Spaß gemacht hat, rechtfertigt das doch nicht den Verlust und die Anstrengung.

Ich werde also noch ein paar Proben stricken und diesen Beitrag beizeiten um Bilder dieser ergĂ€nzen. NatĂŒrlich wird es auch eine Faserlexikon-Folge zu dieser Wollsorte geben.

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