Was kann die Charkha?

Seit ich ein Video ĂŒber die Buch-Charkha gemacht habe, habe ich viele Fragen von euch erhalten. Vor allem was man außer Baumwolle noch mit der Charkha spinnen kann. Diese Frage möchte ich heute beantworten und habe ein Video (ganz unten) gedreht, indem ihr mich beim Austesten verschiedener Fasern in der Werkstatt begleiten könnt.

Screenshot 2015-03-26 09.01.28Watte:

Nach Watte wurde ich definitiv am hĂ€ufigsten gefragt. Ich dachte mir schon vorher, dass Watte eigentlich spinnbar sein mĂŒsste. Trotzdem habe ich mich gefreut es ausprobieren zu können und wurde sehr positiv ĂŒberrascht! Lose Watte lĂ€sst sich tatsĂ€chlich sehr gut mit der Charkha verspinnen, im Prinzip sogar genauso wie Baumwolle. Die Fasern lassen sich auf die gleiche Weise ausziehen und verhalten sich Ă€hnlich. Auch vertrĂ€gt der Faden die gleichen Mengen an Drall. Man kann also mit der Charkha wunderbar ein Wattegarn spinnen, wenn man möchte.

Kamel:

Kamelfasern sind Ă€hnlich kurz wie Baumwolle und lassen sich daher auch wunderbar im langen Auszug verspinnen. DafĂŒr ist die Charkha ja prĂ€destiniert. Trotzdem habe ich festgestellt, dass man etwas beachten muss. Die Kamelfasern verhalten sich anders und lassen sich bei der gleichen Menge Drall im Faden nicht so leicht in sich ausziehen, wie Baumwollfasern. Zur Erinnerung: Bildet sich beim Ausziehen von Baumwollfasern eine dickere Stelle, kann diese bei der richtigen Menge an Drall im Faden, wunderbar in sich ausgezogen werden, wenn man den Drall mit der Faserhand absperrt und an dem Faden zieht (dabei sollte man immer langsam etwas Drall nachproduzieren, damit der Faden haltbar bleibt). Um den gleichen Trick bei den Kamelfasern anzuwenden, braucht es weniger Drall im Faden und auch grundsĂ€tzlich wirkt der Faden schneller ĂŒberdreht, als ein Baumwollfaden.

SĂŒddeutsche Merino:

Als Beispiel fĂŒr Wollfasern habe ich sĂŒddeutsche Merino genommen. Der Versuch lĂ€sst sich theoretisch auch auf andere Wollfasern ĂŒbertragen. Mir war klar, dass Wollfasern aufgrund ihrer Beschaffenheit viel weniger Drall brauchen, um einen stabilen Faden zu bilden. Der Versuch hat das bestĂ€tigt. Aus der Falte lassen sich mit diesem Wissen im Hinterkopf sehr leicht auch Wollfasern an der Charkha verspinnen. Ähnlich wĂŒrden sich wahrscheinlich kardierte Fasern oder Rolags verhalten (das habe ich nicht getestet). Direkt aus dem Kammzug zu spinnen ist hingegen sehr mĂŒhselig, da die Funktion der Charkha darauf ausgelegt ist, das man sie mit einer Hand betreibt, wĂ€hrend die andere Hand die Fasern hĂ€lt und auszieht. Das funktioniert mit einem Kammzug nicht immer und man muss die andere Hand zur Hilfe nehmen, um die Fasern auszuziehen. Damit wird das Ganze etwas mĂŒhselig.

Trotzdem: Man kann auch Wollfasern im langen Auszug an der Charkha spinnen und somit kann die Charkha eine nette und portable Alternative zum Spinnrad sein (man braucht keine FĂŒĂŸe und die Charkha braucht wenig Platz). Allerdings wirklich nur wenn man im langen Auszug spinnen möchte, das gibt natĂŒrlich andere Garne (siehe meine Videos zum langen Auszug) und schrĂ€nkt einen somit ein wenig ein.

Screenshot 2015-03-26 09.02.37Seide:

Seide mit der Charkha zu verspinnen macht Spaß. Aus der Falte gesponnen, lĂ€sst sich die Seide wunderbar leicht ausziehen. Die Fasern gleiten leicht und geschmeidig aneinander vorbei und bilden einen gleichmĂ€ĂŸigen Faden. Auch Seide braucht viel weniger Drall als Baumwolle, also braucht es auch hier nicht mehr als 1-2 ganze Umdrehungen des Schwungrads, um einen zwirnfĂ€higen Faden zu produzieren. Und wie auch bei der Wolle sollte der Drall langsam und abschnittsweise produziert werden, da die Fasern sonst nicht mehr ausgezogen werden können (also nicht 2 Mal drehen und dann erst die Fasern ausziehen!).

Fazit:

In der kleinen Buch-Chakha steckt mehr Talent als es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein macht. Man kann eine Vielzahl von Fasern damit verspinnen, es ist eigentlich nur eine Frage der Technik. Andererseits hat sie auch ihre Grenzen, denn sie ist darauf ausgelegt im langen Auszug gesponnen zu werden. Echte Kammgarne (im kurzen Auszug aus dem Kammzug gesponnen) lassen sich damit also nicht oder wenn nur sehr mĂŒhsam herstellen.

Das Experimentieren hat mir auf jeden Fall super viel Spaß gemacht und ich bin gespannt welche Ideen ihr noch habt.

Habt ihr eine Buch-Charkha und wenn ja was habt ihr schon damit versponnen?

Was meint ihr kann die Charkha noch alles?

9 Kommentare zu “Was kann die Charkha?

  1. Ich glaub, ich brauch doch noch eine Buch-Charka…die Watte aus dem Bioladen ist ĂŒbrigens zum Teil aus Baumwolle – das steht dann in dem Fall auch drauf.

  2. Die kurzen Silk-noils von Wollknoll (dort als Schappe-Seide zum FĂŒllen von Betten angeboten) lassen sich mit dem Buch-Charkha direkt aus der kardierten Masse oder aus daraus gerollten Punis verspinnen. Der Faden wird durch die vielen enthaltenen sehr kurzen FaserbĂ€llchen etwas knubbelig (wie Bourette-Garn), ich habe ihn deshalb mit einem industriell hergestellten Seidenfaden Nm 120/2 verzwirnt, um die teilweise nicht sehr fest eingebundenen “Gnubbel” zu binden.

    • Das hört sich ja cool an! Tolle Idee, danke fĂŒrs Teilen.

      • Zur Schappe-Seide habe ich noch diesen Link gefunden:
        http://www.materialarchiv.ch/#/detail/644/schappeseide-gewebe
        Dort steht auch was zur FaserlÀnge. Danach ist das Material von Wollknoll wohl eher Bourette-Seide, es enthÀlt z.T. noch Bastfasern aus dem Kokon, die sich nicht fÀrben lassen.
        Die FaserlĂ€nge wechselt stark, von 5-6 cm bis unter 1 cm ist alles dabei. Erwischt man einen Abschnitt mit langen Fasern, hat man schnell zuviel Drall drin und kann schlecht ausziehen, umgekehrt muß man immer auch vor dem Aufwickeln prĂŒfen, ob der Drall fĂŒr die kurzfasrigen Abschnitte ausreicht oder der Faden noch auseinander driftet.

  3. Das sieht interessant aus, die Charkha steht auf meiner Wunschliste…;)
    Ich habe gerade nachgesehen, in meinem Verbandskasten liegt Medizinalwatte, die ist 100% aus Baumwolle und wunderbar kardiert.
    Ausserdem habe ich kĂŒrzlich Kaschmir in geringer QualitĂ€t gekauft, diese Wolle ist so kurz, die kann ich nur mit der Tahkli verspinnen…
    Tolles Video, danke!
    Liebe GrĂŒsse Maria

  4. Ramie-Kammzug aus der Falte spinnen habe ich noch ausprobiert, weil Chanti geschrieben hat, daß es mit Seide gut funktioniert. Die Ramie-Fasern sind um 20 cm lang und glatt, das Ausziehen zu einem dĂŒnnen Faden geht sehr gut. Dickere Stellen kann man etwas zurĂŒckdrehen und herausziehen, wenn noch nicht viel Drall im Faden ist.
    Zweifach verzwirnt habe ich ein Garn etwa in der StĂ€rke von HĂ€kelgarn Nr. 10 erhalten, es glĂ€nzt schön und ist sehr reißfest. Zum Bandweben wĂ€re es sicher geeignet.

  5. Kaschmir (Kardenband) und Yak habe ich ausprobiert; Yak dĂŒrfte sich Ă€hnlich verhalten wie Babykamel, so, wie ich das oben lese. Kaschmir geht sehr gut und lĂ€sst sich auch wie Baumwolle ausgleichen. DĂŒnn werden beide und schnell geht es auch 🙂

    HG
    Monika

  6. yak lĂ€sst sich hervorragend damit spinnen! ich hab meine bc im bĂŒro fĂŒr die pausen und dreh dort mein yak. das hohe tempo ist dafĂŒr ideal!

    • Eine Mischung aus Yak und Cashmere 50/50 geht auch super. Ich befĂŒrchte, mein Spinnrad wird in nĂ€chster Zeit etwas unterbeschĂ€ftigt sein, denn die Charka hat zusĂ€tzlich den Vorteil, dass ich sie leicht mitnehmen kann. Dabei kann ich auf ihr aber wesentlich schneller spinnen als auf Spindeln.

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