Wollpicker: Was, warum und wofür?

Schon als ich mir vor ca. 6 Jahren das erste Mal einen Wollpicker angeschafft habe, wurde ich ganz häufig nach einem Video darüber gefragt. Nun habe ich einen neuen Wollpicker und möchte gerne erklären was ein Wollpicker eigentlich ist, für wen sich ein Wollpicker lohnen könnte und welche Nachteile eventuell mit dem Gerät einher gehen.

Videoinhalt

00:00 Einleitung
01:07 Was ist ein Wollpicker?
02:08 Geschichte des Wollpickers
03:22 Für wen lohnt sich ein Wollpicker?
04:25 Worauf sollte man beim Wolle picken achten?
07:52 Unterschied zu handgezupfter Wolle
09:24 Zusammenfassung Vor- und Nachteile
10:15 Abschluss

Was ist ein Wollpicker?

Ein Wollpicker, auch Wollwolf oder Reißwolf genannt, öffnet gewaschene Rohwolle, um das Kardieren mit einem Kardiergerät zu erleichtern. Zum Kardieren sollte Wolle gut aufgelockert sein, dass kann man durch einfaches Zupfen mit den Händen erreichen, durch das Schlagen der Wolle mit Stäben oder eben durch die Verwendung eines Wollpickers.

Sowohl Kardiergeräte als auch Wollpicker als Geräte für den Hausgebrauch sind wahrscheinlich erst nach der Industrialisierung entstanden. Vorher wurde Wolle mit Handkarden kardiert.

Es gibt Schaukelpicker und Kastenpicker, letztere sind etwas kleiner und nehmen weniger Platz weg. Auch sind kastenförmige Picker etwas leichter selbst zu bauen.

Für wen lohnt sich ein Wollpicker?

Im Prinzip lohnt sich ein solches Gerät nur, wenn man wirklich viel Rohwolle aufzubereiten hat und mit einem Kardiergerät weiter verarbeiten möchte. In diesem Fall können sie einiges an Zeit und Mühe sparen. Es gibt aber auch Nachteile.

Worauf sollte man beim picken achten?

Um Rohwolle mit dem Wollpicker für das Kardieren vorzubereiten, sollte sie gewaschen und gut entfettet sein. Fettige Wolle lässt sich nicht ordentlich öffnen. Darüber hinaus müssen die Fasern wirklich trocken sein. Feuchte Fasern sind nicht so reißfest wie es im trockenen Zustand der Fall wäre.

Die Nadeln sollen die Fasern auseinander zupfen, dafür sollten die Spitzen nicht zu nah aneinander kommen. Die Locken müssen dazwischen passen, so dass sie geöffnet werden können. Es werden sich immer einige Locken zwischen die Nadeln legen, aber der Großteil der geöffneten Fasern sollte im besten Fall hinten aus dem Picker heraus fallen.

Unterschied zu handgezupfter Wolle

Der Wollpicker öffnet zwar die Fasern, aber dabei arbeitet er nicht so gewissenhaft und ordentlich wie wir es mit den Händen tun könnten. Bei Wolle die viel Verschnitt und Pflanzenreste enthält oder die sehr dicht und klumpig ist, kann es Sinn machen, sie mehrmals durch den Picker zu geben. Dennoch, werden sich alle Verunreinigungen heraus fallen und es wird eventuell immer noch geschlossene Locken geben, die sich mehrmals durchmogeln.

Das wiederum kann bedeuten, dass wir später beim Kardieren mit dem Kardiergerät sehr viel mehr Acht geben müssen. Es macht häufig auch Sinn die Wolle mehrmals zu kardieren, dabei immer wieder in schmale Bänder aufzuteilen und auf Verunreinigungen und Ungleichmäßigkeiten zu achten.

Mit der Hand können wir Wolle sehr effizient und gründlich auflockern und dabei alle Verunreinigungen entfernen, die uns auffallen. Gut vorgezupfte Wolle braucht manchmal nur ein bis zwei Durchgänge am Kardiergerät, um zu einem schönen Vlies zu werden. Dafür dauert das Zupfen mit der Hand im Regelfall natürlich länger.

Weiterführende Links:

Literaturliste https://chantimanou.de/bibliographie/ 
Video Tuchfabrik Müller https://youtu.be/r4zX8eJcvBo?t=37 
Video Wolle waschen https://youtu.be/Fl_0R_pz3b0 
Video Rohwolle sortieren https://youtu.be/HX_3n2p9ktU 

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2 Kommentare zu “Wollpicker: Was, warum und wofür?

  1. Ganz tolles Video, vielen Dank! Zum Video von der Tuchfabrik passt das Video: „A long day in the mill“ von John Arbon Textiles. Man sieht zwar den Picker nur eine Sekunde am Anfang, aber dafür macht die Spinnerei noch immer ganz fantastische Kammgarne.

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