Faserlexikon: Portland

Dieses Mal stelle ich euch im Faserlexikon die Schafrasse “Portland” vor. Eine robuste Wollsorte, die selten ist, aber sich gut fĂŒr Jacken und Stulpen eignet.

Rasse

Die Rasse stammt von der englischen Insel Portland und war Anfang des 20sten Jahrhunderts vom Aussterben bedroht. Und nach 1920 gab es fĂŒr eine ganze Zeit auf der Insel selbst gar keine Portland-Schafe.
Zum GlĂŒck gab es aber auch außerhalb der Insel immer Portland-Herden und nun gibt es wieder mehr ZĂŒchter, auch auf Portland, die darum bemĂŒht sind diese sehr ursprĂŒngliche Rasse zu erhalten.

Die Schafe sind, wie viele Inselrasse, eher klein. Die Böcke werden wohl bis zu 65cm groß. In der Regel sind sowohl Böcke als auch Auen gehörnt.
Bei der Geburt ist das Fell brÀunlich, wird aber mit zunehmendem Alter heller. Wobei vor allem das Gesicht der Schafe hÀufig noch eine rotbraune FÀrbung hat, Àhnlich wie bei den Coburger Fuchsschafen.

Bei Interesse findet ihr weitere Informationen zu der Rasse unter https://www.portlandsheep.com/breed-description und https://www.rbst.org.uk/portland.

Quelle: Shutterstock
Quelle: Shutterstock

Die Fasern

Ich hatte das GlĂŒck eine kleine Portion dieser tollen Wolle in rohform bei The Little Grey Sheep ergattern zu können. Die Locken haben sich sehr leicht und unaufwendig waschen lassen. Schlußendlich hatte ich durch das Entfetten einen Gewichtsverlust von ca. 33%.

Locken vor dem Waschen

Die Locken waren im Durchschnitt ca. 14cm lang. Was fĂŒr eine primitive Rasse in meiner Erfahrung eigentlich schon echt viel ist.

Die KrĂ€uselung habe ich als sehr unregelmĂ€ĂŸig empfunden. Manche Locken waren mehr gekrĂ€uselt als andere. Und auch innerhalb einer Locke konnte ich nicht immer eine gleichmĂ€ĂŸige KrĂ€uselung fest stellen.

Aufbereitung

Ich hab mich entschieden die Wolle aufzuteilen und einen Teil mit WollkÀmmen zu bearbeiten und den anderen Teil mit Handkarden zu Rolags zu drehen.

HandgekÀmmte Portland Fasern

Das KĂ€mmen hat wunderbar funktioniert. Die Fasern haben sich gut kĂ€mmen und auch zum Band ziehen lassen. Es waren nur wenige DurchgĂ€nge nötig, um sehr gleichmĂ€ĂŸige und schöne KammzĂŒge zu erhalten.

Das Kardieren war hingegen eher anstrengend. Wahrscheinlich wegen der LĂ€nge der Fasern. Ich habe durchaus auch schon lĂ€ngere Fasern kardiert. Aber dieses Mal habe ich es als sehr grenzwertig empfunden. Die Rolags waren dementsprechend auch eher ungleichmĂ€ĂŸig.

Spinnen

Ich habe ganz klassisch die gekÀmmten Fasern im kurzen Auszug gesponnen und die Kardierten im langen Auszug. Die entstandenen Garne sind entsprechend unterschiedlich geworden.

Das Kammgarn hat sich sehr schön spinnen lassen. Ist sehr gleichmĂ€ĂŸig und dicht und ein wenig elastisch. Das Streichgarn ist etwas unregelmĂ€ĂŸiger – alleine schon weil die Rolags so ungleichmĂ€ĂŸig waren – und sehr luftig und ein wenig durchschimmernd. Das Streichgarn wirkt melierter, wĂ€hrend die beige Farbe in dem Kammgarn etwas vereinheitlicht ist.

Verzwirnt habe ich jeweils 3fach in Form eines Kettenzwirns (Navajozwirn). Das hat bei beiden Proben exzellent funktioniert und ein schönes Ergebnis gebracht.
Beide Garne haben eine StĂ€rke von 14-15 WPI, bzw. NadelstĂ€rke 2,5 – 3mm.

Strickproben

FĂŒr die Strickproben habe ich mich fĂŒr NadelstĂ€rke 2,75mm entschieden und ein paar Zöpfe, Textur- und Lochmuster zusammen gestellt. Es hat großen Spaß gemacht, die Garne zu verstricken!

Die Probe aus dem Kammgarn hat ein sehr klares Maschenbild und eine gewisse Schwere, die ich mir sehr schön in Jacken vorstellen kann.

Das Streichgarn gibt ein eher luftiges, mattes Maschenbild, hat dafĂŒr aber sehr viel Stand und ist in meinen Augen wunderbar fĂŒr Stulpen oder Ă€hnliche Accessoires geeignet.

Die Wolle ist nicht weich und wahrscheinlich fĂŒr die meisten nicht sonderlich hautvertrĂ€glich. Aber sie fĂŒhlt sich trotzdem nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig kratzig und pieksig an. Sie wirkt sehr robust und wenig anfĂ€llig fĂŒr Ă€ußere EinflĂŒsse.

Fazit

Ich könnte mir sehr gut Jacken, Ponchos und MĂ€ntel aus diesem tollen Material vorstellen. Es lĂ€sst sich gut verarbeiten, wenn man bereit ist, ein wenig mehr Zeit und MĂŒhe zu investieren. Es lohnt sich! Die Belohnung ist ein stabiles, formschönes Garn zum Stricken (und vielleicht sogar weben – das habe ich dieses Mal nicht getestet). Die Farbe ist sehr individuell und sieht sicher auch ĂŒberfĂ€rbt sehr interessant aus.

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