Verzwirnen am Spinnrad (für Anfänger)

In diesem Video zeige euch wie man zwei Fäden am Spinnrad verzwirnt (das gleiche Prinzip gilt auch für das Verzwirnen von drei oder vier Fäden). Dazu gebe ich euch noch ein paar allgemeine Tipps zum Verzwirnen am Spinnrad und erzähle euch worauf ihr achten könnt, um ein ausgeglichen verzwirntes Garn zu erhalten.

Warum verzwirnen?

In der Regel werden zwei oder mehr gesponnene Fäden miteinander verdreht, um ein stabiles und ausgeglichenes Garn zu schaffen.
Es gibt durchaus auch die Möglichkeit Fäden unverzwirnt zu lassen und zu verarbeiten, aber das ist ein Thema für sich und wird an anderer Stelle behandelt.

Technik

Um mehrere Fäden miteinander zu verdrehen, sollten sie auf gleicher Spannung möglichst parallel zueinander liegen. Ich trenne die Fäden gerne mit dem Zeigefinger (oder mehreren Fingern) meiner Faserhand – das ist die Hand, die beim Spinnen die Fasern hält.
Besonders bequem funktioniert das, wenn die Fäden – auf Spulen liegend oder in Knäuele gewickelt – schräg hinter mir aufbewahrt sind. Es funktioniert aber auch, wenn man die häufig vorkommende integrierte Spulenhalterung am Spinnrad verwende.

Mit Zeigefinger und Daumen der Drallhand halte ich dann die Fäden zusammen, ziehe sie ein Stück nach vorne und wandere darüber, um sie verdrehen zu lassen.

Grundsätzlich wird entgegen der Spinnrichtung verzwirnt. Wurde also im Uhrzeigersinn gesponnen, wird gegen den Uhrzeigersinn verzwirnt. Es gibt immer Ausnahmen die die Regel bestätigen, zum Beispiel im Effektgarnbereich. Aber für ganz normale Handarbeitsgarne gilt diese Regel.

Drall

Die beiden Fäden sollten zumindest so verdreht sein, dass sich der Drall, der beim Spinnen in die Fäden gegeben wurde ausgleicht. Es gibt auch hier jede Menge kreative Möglichkeiten, aber gerade am Anfang sollte ein ausgeglichenes Garn ein grundlegendes Ziel sein.

Theoretisch geht man erst Mal davon aus, dass ein ausgeglichenes Garn sich nicht einkringelt, also durchhängt, wenn man es locker lässt. Und das ist auch nicht falsch! Praktisch ist das aber leider erst Mal (!) selten der Fall.

Liegen die Fäden schon länger und die Drallenergie in ihnen ruht, wird sich das Garn beim Verzwirnen immer erst Mal einkringeln. Der Drall gleicht sich erst beim Entspannungsbad hinterher aus. Sind frisch gesponnene Fäden nicht ausreichend verzwirnt, wird sich das fertige Garn allerdings auch einkringeln. Das heißt das Kringeln eines Garnes zu beobachten ist keine wirklich gute Hilfestellung.
Schaut lieber von Zeit zu Zeit auf die Spule, zieht ruhig ein paar cm Garn herunter, lasst das Garn durchhängen und schaut euch an wie die Fäden liegen. Sie sollten gut miteinander verdreht sein ohne sich hart oder steif anzufühlen (dann wäre es zu viel!).

Übersetzung

Grundlegend für den Drall ist die Übersetzung des Spinnrads. Wenn ihr mehrere Übersetzungen habt, dann fangt erst Mal mit der Übersetzung an, mit der ihr auch die Fäden gesponnen habt. Von da aus könnt ihr nach Bedarf nach oben oder unten stellen.

Tipp: Kleinere Wirtel sind schneller, produzieren also mehr Umdrehungen (pro Tritt). Größere Wirtel sind langsamer.

Alternativ könnt ihr natürlich auch euer Tritt-Tempo anpassen, zum Beispiel, wenn euer Spinnrad nur über eine Übersetzung verfügt. Mehr dazu habe ich in meinem Video-Minikurs über Drall für euch zusammen gestellt.

Einzug

Der Einzug kann beim Verzwirnen auch eine Rolle spielen. Im Prinzip gilt erst einmal, wie beim Spinnen, dass ihr weder das Gefühl haben solltet, dass euch das Garn aus der Hand gerissen wird, noch dass ihr es auf die Spule zwingen müsst.

Spulengebremste Räder stellen hier einen Spezialfall da. Die Bremse funktioniert häufig mit einer Feder. Manche Räder haben zwei Federn die auf beiden Seiten der Spule angebracht sind. In dem Fall braucht ihr euch keine Gedanken darüber zu machen.
Meiner Meinung nach (es gibt durchaus Experten, die anderer Meinung sind) fühlt sich der Einzug am angenehmsten an, wenn die Spule sich von der Feder weg dreht.
Zwirne ich also gegen den Uhrzeigersinnd und die Spule dreht sich dementsprechend nach links, lege ich den Bremsfaden so um die Spule, dass die Feder rechts von ihr hängt.

Fertigstellung

Wirklich fertig ist das Garn nach dem Verzwirnen in der Regel noch nicht. Falls es verstrickt oder verhäkelt werden soll, rate ich immer es erst zu einem Strang zu haspeln und dann einmal einzuweichen (15 Minuten in warmem bis heißem Wasser) und flach zum Trocknen auszulegen.
Auch hier gibt es noch weitere Varianten und Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt, aber das ist für den Anfang die einfachste und schnellste.

Möchte man handgesponnene Garne zum Weben verwenden, sind diese Schritte nicht unbedingt nötig (auch wenn ich persönlich alle meine Garne haspele und bade, weil ich den Prozess genieße und finde, dass es ein toller Moment ist, um das eigene Werk zu bewundern und zu feiern).

0 Kommentare zu “Verzwirnen am Spinnrad (für Anfänger)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.